Abschlussbericht des israelisch-österreichischen Schulbuchkomitees

Das bilaterale Schulbuchkomitee präsentiert den gemeinsamen Abschlussbericht: „Die Darstellung von Juden, Judentum und Israel in österreichischen Schulbüchern sowie von Österreich in israelischen Schulbüchern".

Seit 2017 geht das israelisch-österreichische Schulbuchkomitee der Frage nach, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen israelischen und österreichischen Schulbüchern für den Geschichts- und Staatsbürgerkundeunterricht sowie für Geografie bestehen. Auf der Grundlage der jahrelangen gemeinsamen Forschung präsentiert das Komitee nun mit dem 27.01.22 den gemeinsamen Abschlussbericht. Neben der dezidierten Analyse der Schulbücher erarbeitete das Komitee Empfehlungen zur Darstellung der jüdischen Geschichte, des Nationalsozialismus/der Shoa und von Israel in österreichischen Schulbüchern, sowie Empfehlungen zur Darstellung Österreichs in israelischen Schulbüchern. Der Abschlussbericht wird am 27.01.2022 online vorgestellt und steht hier zum Download zur Verfügung.

Internationale Zusammenarbeit

Der Staat Israel und die Republik Österreich unterhalten seit vielen Jahren umfassende und freundschaftliche diplomatische Beziehungen und arbeiten in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Forschung intensiv zusammen.

Das erste bilaterale „Memorandum of Understanding“ zur Kultur- und Bildungskooperation aus dem Jahr 1996 bildete eine wichtige Grundlage für die positive Entwicklung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Dieses Dokument war der Schlüssel zur konstruktiven Zusammenarbeit im Umgang mit einem für Österreich und Israel sehr schwierigen Kapitel der österreichischen, europäischen und jüdischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, das durch den Nationalsozialismus und den Holocaust geprägt war. Das „Memorandum of Understanding“ enthielt das erste Bekenntnis zur Zusammenarbeit im Bereich der Holocaust-Education und empfahl die gemeinsame Analyse von Schulbüchern für den Geschichts- und Geographieunterricht.

Der erste Schritt zur Umsetzung dieser Initiative war eine Modellpartnerschaft für die Lehrerausbildung zwischen Yad Vashem und dem vom österreichischen Bundesministerium für Bildung eingerichteten Institut für Holocaust-Eduaction _erinnern.at_. Seither haben sich 800 österreichische Lehrkräfte mit jüdischen und israelischen Shoah-Erzählungen auseinandergesetzt; es wurde ein breites Spektrum an modernen Unterrichtsmaterialien entwickelt, und beide Länder sind als Mitglieder der „International Holocaust Remembrance Alliance“ eine Arbeitspartnerschaft eingegangen, um eine angemessene Vermittlung der Shoah zu gewährleisten und Antisemitismus aktiv zu bekämpfen. Alle österreichischen Bildungsminister:innen haben seither Arbeitsbesuche in Israel durchgeführt, und es wurden zahlreiche weitere Kooperationsvereinbarungen geschlossen.

Seit 2017 wird diese erfolgreiche Beziehung im Bildungsbereich in Form einer bilateralen Kommission fortgesetzt, die von den Bildungsministerien beider Länder eingerichtet wurde und die Aufgabe hat, israelische und österreichische Schulbücher für den Geschichts- und Staatsbürgerkundeunterricht sowie für Geografie zu vergleichen. Dies stellt einen wichtigen Meilenstein in den bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Nationen dar, da die Analyse all die Prozesse untersucht, die das Selbstbild junger Menschen in beiden Ländern mit ihrer jeweils eigenen komplexen historischen Vergangenheit prägen, und dadurch das gegenseitige Verständnis fördern soll. Dieses Projekt ähnelt einer anderen Studie, die zwischen 2010 und 2014 von einer gemeinsamen israelisch-deutschen Kommission durchgeführt wurde.

Israelisch-österreichischer Schulbuchvergleich

Die Entscheidung beider Länder, die Unterrichtsmaterialien zu prüfen, war mutig, denn es ist ein mutiger Schritt, sich gegenseitig die Einstellungen, Stereotypen und Eindrücke des jeweils anderen Landes, die sich in den Schulbüchern widerspiegeln, zu erläutern und dann gemeinsam Empfehlungen für notwendige Verbesserungen zu formulieren. Dies erfordert auch ein hohes Maß an Offenheit und gegenseitigem Vertrauen.

Dabei wurde eine Reihe von Fragen untersucht, insbesondere die Frage, wie die Schulbücher in den beiden Ländern den aktuellen und historischen Stand der Dinge im jeweils anderen Staat darstellen. Die zeitaufwändige und umfassende Analyse, die intellektuelle Anstrengung und die von allen Partnern investierte Kreativität spiegeln die Tatsache wider, dass Schulbücher einer von mehreren Faktoren sind, die das Bewusstsein der Schüler:innen prägen. Die ausgewählten Fächer Geschichte (das in Österreich auch Staatsbürgerkunde einschließt) und Geografie sind besonders geeignet, das Weltbild der heutigen Jugend zu beeinflussen.

Die gemeinsame Kommission traf sich zunächst zu Konferenzen und intensiven Diskussionen, die sich aufgrund der COVID-19-Pandemie in zahlreiche Online-Arbeitssitzungen verlagerten. Der Prozess erforderte Engagement, Verständnis und Sensibilität für die unterschiedlichen Wahrnehmungen der historischen Ereignisse und Entwicklungen.

In einer Zeit, in der sich Bildungsmedien nicht nur auf Schulbücher beschränken, sondern ein breites Spektrum an Materialien umfassen, ist es das Ziel dieser Analyse, alle relevanten Stakeholder zu motivieren, ihre Erkenntnisse umzusetzen und dafür zu sorgen, dass diese bei der Unterrichtsgestaltung beachtet werden. Dies wird zweifellos Zeit in Anspruch nehmen, aber wir sind überzeugt, dass die notwendigen Veränderungsprozesse gelingen und zu einer weiteren positiven Entwicklung der bilateralen Beziehungen zwischen Österreich und Israel führen werden. 

Im Vorwort des Abschlussberichtes betonen das israelische sowie das österreichische Bildungsministerium die professionelle Zusammenarbeit innerhalb der Kommission, von deren Forschungsergebnissen beide Bildungswesen und der gemeinsame Dialog profitieren:

„Wir danken den Mitgliedern der Kommission, die ihre Aufgaben in professioneller Art und Weise, mit großem Engagement und in einer Atmosphäre des gegenseitigen Respekts wahrgenommen haben: dem Vorsitzenden der österreichischen Kommission, Dr. Werner Dreier, und ihren Mitgliedern, Prof. Philipp Mittnik, Dr. Claudia Rauchegger-Fischer, Mag. David Hasenauer, Univ. Doz. Dr. Eleonore Lappin-Eppel und Dr. Falk Pingel, sowie den Mitgliedern der israelischen Kommission, Dr. Dalit Attrezki, Dr. Orna Katz Atar, Belha Glicksberg, Dr. Kasem Darawsha, Pnina Gazit, Shoshi Yitzhaki, Hanita Baram, Sarah Brom, Prof. Arnon Medzini, Hadar Brodman, Ali Harish, Gilad Menib, Dr. Anat Kidron und Amos Raban, die die Arbeit der Kommission in professioneller und herzlicher Weise durchgeführt haben.“ – Dalia Fenig (Bildungsministerium Israel), Martina Maschke (Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Österreich - BMBWF), Sonja Hinteregger-Euller (BMBWF)

 

Impressum der Publikation

Medieninhaber und Verleger:
Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung
Abteilung Präs/14 & Abt. V/8
Herausgegeben von Sara Brom, Werner Dreier, Eleonore Lappin, Falk Pingel, Amos Raban
Minoritenplatz 5, 1010 Wien
Tel.: +43 1 531 20-0
Grafische Gestaltung: Sabine Sowieja
Druck: BMBWF (Druck on demand in Kürze möglich, Link folgt)
Wien, 02.2020

Erstellt am 2022-01-24T12:12:46+01:00, zuletzt geändert 2022-03-08T12:48:35+01:00