Germanisierung und Verfolgung – Kärntner Sloweninnen und Slowenen im Nationalsozialismus
Die Kärntner SlowenInnen gerieten im Nationalsozialismus ins Visier eines Regimes, das das Bild eines hundertprozentig deutschen Reiches propagierte. Die bereits seit dem 19. Jahrhundert von deutschnationaler Seite betriebenen Germanisierungsbestrebungen – das Verdrängen der slowenischen Sprache und Kultur – erreichten 1938 eine neue, systematische Dimension. Zweisprachige Ortstafeln verschwanden, deutschsprachige Lehrpersonen ersetzten slowenische, Kulturvereine wurden verboten und Menschen gezwungen, ihre Namen „einzudeutschen“. Lokale NS-Funktionäre verstärkten den Assimilationsdruck, indem sie selbst im privaten Umfeld den Gebrauch des Slowenischen untersagten.
Mit der Besetzung Jugoslawiens 1941 dehnten die Nationalsozialisten ihre Germanisierungspläne auf die angegliederten Gebiete Oberkrain und Mießtal aus. Wissenschaftliche Legitimation sollte das „Institut zur Kärntner Landesforschung“ liefern, dessen Vertreter die kulturelle Überlegenheit des Deutschtums behaupteten und damit die Verfolgung rechtfertigten. Obwohl die Nationalsozialisten Kärntner SlowenInnen grundsätzlich als „eindeutschungsfähig“ betrachteten, wurden jene, die sich nicht anpassten oder als Führungspersonen galten, verfolgt.
Einen Höhepunkt der Repression bildeten Deportationen kärntnerslowenischer Familien: Am 14. April 1942 wurden ca. 1.000 Personen gewaltsam aus ihren Häusern geholt und in „Lager der Volksdeutschen Mittelstelle“ verbracht. Die Betroffenen lebten dort unter schlechten Bedingungen, mussten Zwangsarbeit leisten, durften kein Slowenisch sprechen und mussten bei Regelverstößen mit Überstellung in ein Konzentrationslager rechnen. Dieser großen Deportationsaktion folgten weitere kleinere, alle trugen dazu bei, dass sich im slowenischen Bevölkerungsteil in Kärnten breiter Widerstand gegen die NS-Herrschaft formierte. Männer und Frauen schlossen sich dem bewaffneten PartisanInnenwiderstand an oder leisteten auf verschiedene Weise individuellen Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft.
Mindestens 564 Kärntner SlowenInnen verloren durch NS-Verfolgungsmaßnahmen ihr Leben. Und auch die Heimkehr der überlebenden Deportierten nach der Befreiung gestaltete sich nicht wie von ihnen ersehnt: Sie wurden feindselig empfangen, Haus und Hof waren leergeräumt, Rückstellungen verzögerten sich und Entschädigungen erfolgten spät.
