Katja Sturm-Schnabl
„Ich wusste nur, dass ganz plötzlich etwas Schreckliches passiert. Mein einziger Gedanke war: Ohne meine Eltern gehe ich nirgendwo hin!“ - Katja Sturm-Schnabl
Katja Sturm-Schnabls Lebensgeschichte
Katja Sturm-Schnabl wurde am 17. Februar 1936 in Zinsdorf/Svinča vas bei Klagenfurt/Celovec geboren. Ihre Familie gehörte der Volksgruppe der Kärntner SlowenInnen an. Sturm-Schnabl wuchs in den ersten Jahren ihrer Kindheit auf dem Gutshof der Familie auf. 1942 wurde sie mit zahlreichen anderen slowenischen Familien ins Lager Ebenthal bei Klagenfurt deportiert.
Die folgenden drei Jahre war sie u.a. in Renice bei Szczecin/Polen und in Eichstätt/Bayern inhaftiert. Diese Lager wurden von der nationalsozialistischen „Volksdeutschen Mittelstelle" betrieben. Dort erkrankte ihre ältere Schwester und starb unmittelbar nach einer Injektion des Lagerarztes, der sie ermordet hatte.
1945 kehrte Katja Sturm-Schnabl nach Klagenfurt zurück. Erst 1946, mit neun Jahren, konnte sie mit der Volksschule beginnen. Innerhalb eines Schuljahres holte sie die versäumten Schuljahre nach und schloss die 4. Klasse ab.
Später studierte sie Slawistik, Russisch, Kunstgeschichte und Byzantinistik in Wien. Katja Sturm-Schnabl lehrte von 1984 bis 2016, bis zu ihrem 80. Lebensjahr, am Institut für Slawistik der Universität Wien mit dem Schwerpunkt südslawische Literatur- und Kulturgeschichte. Eine ihrer wichtigsten Publikationen ist eine dreibändige Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška, ein Sammelwerk zum Erhalt der slowenischen Kultur. Sie war Mitglied zahlreicher Kurien sowie der Gleichstellungskommission.
Katja Sturm-Schnabl spricht seit 2006 als Zeitzeugin an Schulen
Seit 20 Jahren ist Katja Sturm-Schnabl als Zeitzeugin an Schulen und bei erinnerungskulturellen Veranstaltungen aktiv. Sie begeistert zahlreiche Schülerinnen und Schüler in ganz Österreich durch ihre persönlichen und behutsamen Schilderungen.
2015 erhielt sie das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich für ihre Tätigkeit als Zeitzeugin. Als Mitglied des Kuratoriums des Mauthausen Komitees Österreich, einer Organisation von KZ-Überlebenden, setzt sie sich aktiv für Menschenrechte und gegen Diskriminierungen aller Art ein. Die Universität Wien verlieh ihr 2022 den Titel der Ehrensenatorin.
Katja Sturm-Schnabl lebt in Wien und Kärnten, war verheiratet und hat zwei Söhne, zwei Enkelkinder und bald zwei Urenkelkinder.
