Nun Gute Nacht - Der vergessene Widerstand in Krems

Ein Projekt zur Geschichte des Franz Zeller-Platzes in Krems im Rahmen des Waldviertelfestivals 2010 Eröffnung der Installation für den Widerstandskämpfer Franz Zeller am Samstag 26. Juni um 20 Uhr mit einem Konzert „Die Freiheit, die WIR meinen..."von Angelika Sacher & Klaus Bergmaier. Zum letzten Mal wurde im Jahr 1953(!) ein Widerstandskämpfer in Krems öffentlich geehrt.

Wer Franz Zeller war, der Namensgeber für den Platz vor der Kunsthalle Krems, ist heute so gut wie niemanden mehr bekannt. Eine Leuchtschrift mit den Worten „Nun Gute Nacht“ soll das Schicksal Franz Zellers in Erinnerung rufen. Ein Projekt von Robert Streibel und Gregor Kremser.

Die drei kommunistischen Widerstandskämpfer Franz Zeller, Ferdinand Strasser und Johann Hoffmann wurden 1941von der Gestapo verhaftet. Im Urteil vom 12. Juni 1942 heißt es unter anderem: “Franz Zeller [… ] wurde im sozialdemokratischen Sinne erzogen. Im Jahre 1927 trat er der SPÖ bei, der er bis zum Verbot 1934 angehörte. [… ] Von 1928 bis 1933 war er außerdem aktives Mitglied des republikanischen Schutzbundes. Zeller ist von Beruf Hilfsarbeiter, fand aber erst nach elfjähriger Arbeitslosigkeit nach der Rückgliederung Österreichs an das Reich Arbeit.“

Franz Zeller kannte Ferdinand Strasser von Jugend auf und beide blieben nach 1938 bei ihrer marxistischen Gesinnung. Ferdinand Strasser nach den Februarkämpfen 1934 über die Tschechoslowakei nach Moskau geflohen und im Mai 1936 illegal nach Österreich zurückgekehrt und im August 1937 bei einer kommunistischen Versammlung festgenommen und inhaftiert worden. In der Urteilsschrift heißt es, dass sie „im Herbst 1939 allmählich zur Ansicht (kamen), dass der Nationalsozialismus die in Österreich bestehenden Rechte der Arbeiterschaft verkürze und dass sich diese nur wehren könnte, wenn die Arbeiter zu einer 'kommunistischen Oppositionspartei' zusammengeschlossen würden“. Neben der Verbreitung illegaler Flugschriften war es ein Ziel der Aktivitäten durch die sogenannte „Rote Hilfe“ Geld für die Familien von Inhaftierten zu sammeln und diese finanziell zu unterstützen.

Am 12. Juni 1942 wurden die drei Angeklagten aus Krems zum Tod verurteilt; am 30. September 1942 wurden sie innerhalb weniger Minuten hingerichtet. Johann Hofmann starb als erster um 18:45, Franz Zeller um 18: 51 und Ferdinand Strasser um 18:55. Ferdinand Strasser rief bei der Übergabe an den Scharfrichter: „Es lebe die Sowjetunion! Rot Front!“ Der Abschiedsbrief Zellers an seine Eltern endet mit den Worten: „Nun liebe Eltern, nehme ich Abschied für immer von Euch (… ) Bewahrt mir ein gutes Andenken (… ). Nun Gute Nacht meine lieben Eltern, Gute Nacht.“

Eröffnung der Lichtskulptur

26.06.2010, 21:00 – zu sehen bis 31.8.2010.
Ort: Museums-Wirtshaus Hofbauer, Steiner Landstr. 5

 

In der Woche, zwischen 17. und 19. August wurde die Gedenktafel für Franz Zeller auf dem Platz vor der Kunsthalle in Krems zerstört. Seit Juni erinnert eine Leuchtschrift und eine Tafel an den Namensgeber des Platzes vor der Kunsthalle in Krems. An der Rückseite des Museumswirtshauses Hofbauer haben Gregor Kremser und Robert Streibel im Rahmen des NÖ Viertelfestivals die Leuchtschrift „Nun Gute Nacht“ angebracht. Es handelt sich dabei um die letzten Worte des im September 1942 hingerichteten kommunistischen Widerstandskämpfer Franz Zeller. Unter der Leuchtschrift gibt eine Tafel Auskunft über den vergessenen Widerstand in Krems.


Die letzten Worte von Franz Zeller sollten offenbar nicht mehr leuchten. Handelt es sich dabei „bloß“ um einen Vandalenakt? Oder ist es im Jahr 2010 in Krems nicht möglich, an einen kommunistischen Widerstandskämpfer zu erinnern? Da nicht nur die Leuchtschrift eingeschlagen wurde, sondern auch das Bild von Franz Zeller mit Spray versucht wurde unkenntlich zu machen, dürfte wohl mehr dahinter stecken, vermutet der Historiker Dr. Robert Streibel. Es kann fast kein Zufall, dass in der vergangenen Woche Robert Streibel für eine Sendung in Ö1 über Erinnerungskultur interviewt wurde und über das Denkmal für Franz Zeller und die Schwierigkeiten von Gemeinden und Städten sich bis heute zu erinnern, gesprochen hatte. Kurz darauf wird diese Tafel zerstört.


Eine Anzeige wegen schwerer Sachbeschädigung wurde bei der Polizei erstattet. Da der/oder die Täter offenbar gestört wurden und so die Besprayung der Tafel nicht vollenden konnten, hat vielleicht jemand etwas gesehen oder gehört. Sachdienliche Hinweise an die Polizei Krems Tel. 059 133 - 3440-305 oder per Mail: bpk-n-krems-land@polizei.gv.at



 

Der vegessene Widerstand in Krems
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