Zeitzeugin Gertraud Fletzberger

Für interessierte Schulen bzw. KollegInnen besteht die Möglichkeit, Gertraud Fletzberger als Zeitzeugin an die jeweilige Schule zu holen. Die Kosten für die Zeitzeugengespräche mit ihr übernimmt der ZeitzeugInnen-ReferentInnenvermittlungsdienst des bm:ukk, Abteilung Politische Bildung.

Kontakt und Terminvereinbarung: gertraud@fletzberger.com

Kurzbiographie von Gertraud Fletzberger:
Gertraud Fletzberger wurde 1932 unter ihrem Mädchennamen Propper in Wien geboren. Sie war als Augenzeugin dabei, als Adolf Hitler am 15. März 1938 inmitten seiner Wagenkolonne die Mariahilferstraße unter ohrenbetäubenden „Heilrufen“ die versammelten Menschenmassen entlangfuhr. Von diesem Tag an wurde für ihre bis dahin glückliche Familie schrittweise alles anders. Ihrem jüdischen Vater wurde seine Berufsausübung als Rechtsanwalt untersagt, die „arische“ Mutter konnte zunächst Schlimmes, z.B. die Beschlagnahmung der Wohnung durch die Gestapo, verhindern. Aber es war für die Familie klar, dass nur noch der Weg in die Emigration blieb. Nachdem es nicht gelungen war, für die gesamte Familie Visa zu erhalten, beschlossen ihre Eltern zunächst ihren zehnjährigen Bruder, ihre fünfjährige Schwester und sie mit einem Kindertransport der Schwedischen Israelmission nach Schweden zu schicken. Die Kinder wurden in  verschiedenen Familien in unterschiedlichen Städten untergebracht. Obwohl sie ihre Pflegefamilie mit viel Umsicht umsorgte, hatte Gertraud Fletzberger große Probleme zu bewältigen.
Nachdem sie fast zwei Jahre bei ihren Pflegeeltern gelebt hatte, konnte sie von ihrer Mutter, die nach Schweden gekommen war und eine sehr bescheidene Wohnung gemietet hatte, aufgenommen werden. Oft konnte in dieser Situation nicht einmal das Notwendigste des ohnedies sehr bescheidenen Essens eingekauft werden.
Die ganze Zeit in Schweden war durch die Angst und Sorge um das Überleben ihres Vaters, der zuerst in Italien, dann in Frankreich auf der Flucht vor den Nationalsozialisten war, geprägt. Wie durch ein Wunder überlebte er, und erst 1947 war die Familie wieder in Wien vereint.
Schwedisch war zu ihrer „Muttersprache“ geworden, Deutsch musste sie wieder lernen, deshalb wurde sie als „Rückwanderin“ zu einer Fremden im eigenen Land.

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