Feierliche Rückschau: Festschriftpräsentation zu „20 Jahre _erinnern.at_“

Die Erfahrungen, Erkenntnisse und Entwicklungen des 20-jährigen Wirkens von _erinnern.at_ gebündelt auf 314 Seiten – zum Jubiläum wurde die Festschrift „20 Jahre _erinnern.at_“ am 04. November 2021 feierlich präsentiert.

Seit seiner Gründung im Jahr 2000 unterstützt das Holocaust Education Institut des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung _erinnern.at_ das Lehren und Lernen über Nationalsozialismus und Holocaust im österreichischen Bildungswesen. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens bündelt die gerade erschienene Festschrift die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem 20-jährigen Wirken des Vereins. Am 04. November 2021 wurde die Festschrift feierlich im Audienzsaal des Ministeriums präsentiert. Martina Maschke und Manfred Wirtitsch, seit der Gründung des Vereins Obleute von_erinnern.at_, führten durch die Veranstaltung.  

Entsprechend des Selbstverständnisses von _erinnern.at_ als national und international agierendes Netzwerk spiegeln die Artikel der Festschrift die zahlreichen Handlungsfelder und Potenziale des großen Netzwerks wider: Mitarbeitende, KooperationspartnerInnen und langjährige BegleiterInnen stellen in der Festschrift die Grundüberlegungen und Vermittlungsansätze aus der Arbeit von _erinnern.at_ vor. Und sie zeichnen die Entwicklung und Bedeutung aber auch die Herausforderungen des Lehrens und Lernens über Nationalsozialismus und Holocaust anhand konkreter Materialien und Projekte von _erinnern.at_ nach.

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Falk Pingel und Werner Dreier bei der Festschriftpräsentation (© Florian Schrötter).

Die Herausgeber der Festschrift Werner Dreier (Gründunggeschäftsführer von _erinnern.at_) und Falk Pingel (Sprecher des wissenschaftlichen Beirats) stellten die Festschrift als Werk vor, das trotz des Rückblick-Charakters auf Fragen eingehe, die von höchster Aktualität seien – was deutlich zeige, wie progressiv und dicht am Zeitgeschehen _erinnern.at_ agiere: Wie und mit welchen Unterrichtsmaterialien und Medien können Zeitzeugnisse und ZeitzeugInnengespräche in den Unterricht integriert werden? Wie werden PädagogInnen in der Prävention von Antisemitismus, Rassismus und Antiziganismus unterstützt? Welche Rolle spielen historische Orte, der virtuelle Raum, Schulbücher sowie Neue Medien für die historisch-politische Bildung?

In seiner feierlichen Ansprache zur Festschrift betont Bildungsminister Heinz Faßmann die wichtige Rolle von _erinnern.at_ für das österreichische Bildungssystem – in den letzten sowie auch für die kommenden Jahrzehnte:

„Es gibt Aufgaben im Bildungsbereich, die erinnern an Sisyphos. Bekanntlich musste er einen Felsblock den Berg hinaufwälzen, der dann, kurz vor dem Gipfel, wieder ins Tal rollte. Geht es uns mit dem Kampf gegen den Antisemitismus nicht ähnlich? (…) Wie Sisyphos dürfen wir nicht aufgeben, sondern müssen immer wieder aufs Neue Erinnerungsarbeit leisten und junge Menschen aufklären. Und das macht seit mehr als 20 Jahren _erinnern.at_ in hervorragender Weise. Das Buch, das uns heute vorgestellt wird, gibt einen profunden Einblick in die Aktivitäten und Bildungsangebote von _erinnern.at_ seit seiner Gründung. _erinnern.at_ hat einen entscheidenden Beitrag zur Professionalisierung der Holocaust Education in Österreich geleistet. Und darauf können wir alle, vor allem ich als Minister dieses Ressorts, sehr stolz sein. Zählen doch die Fortbildungsangebote und Lernmaterialien im internationalen Rahmen als „best practice.“ – Bildungsminister Heinz Faßmann

Barbara Weitgruber, Leiterin der Sektion „Wissenschaftliche Forschung und internationale Angelegenheiten” hob besonders die internationale Strahlkraft von _erinnern.at_ hervor, die sich im Engagement in der International Holocaust Remembrance Alliance sowie durch zahlreiche internationale Kooperationen zeige.

Weiters bereicherte Peter Gautschi, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von _erinnern.at_ und Professor an der Pädagogischen Hochschule Luzern, die Veranstaltung mit einem Vortrag über das Lernen über den Holocaust und der Bedeutung von Erinnerung:  „Wer dieses Buch liest, erfährt Neues zu Geschichte, zu Gesellschaft und auch über sich selbst, wenn er oder sie neugierig und offen in die Publikation einsteigt – kurz: das Buch leistet einen schönen Beitrag zu historischer Bildung.“ Die Präsentation zum Vortrag von Peter Gautschi finden Sie hier.

Alte Stärken – Neue Wege

Nach 20 Jahren, in denen Werner Dreier _erinnern.at_ als Geschäftsführer leitete, ist der Herausgeber der Festschrift im Februar dieses Jahres in den Ruhestand getreten. Die Verdienste und Erfolge von _erinnern.at_, so Werner Dreier, gingen immer auf die gemeinsame Arbeit der Menschen zurück, die in dem „fluiden Personenverbandssystem“ _erinnern.at_  zusammenkämen – so wie sie auch für die Beiträge der Festschrift zusammengekommen seien:

„Abschließend – und dieses Wort bedeutet für mich hier und heute einiges – möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf die vielen Menschen lenken, die _erinnern.at_ bilden. Ja, gute Lernmaterialen sind wichtig, die Möglichkeiten der elektronischen Welt für Kommunikation und Vermittlung sind großartig – doch letztlich kommt es auf die Menschen und auf menschliche Begegnungen an – sowohl im Lehren und Lernen über Holocaust und Nationalsozialismus als auch in der Förderung des Wissenstransfers.“ – Werner Dreier

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Gründungsgeschäftsführer Werner Dreier (links im Bild) prognostiziert _erinnern.at_ eine erfolgreiche Zukunft mit einem kompetenten, jungen und engagierten Team, angeleitet von Patrick Siegele (rechts im Bild): „Hier steht die Zukunft“ – leitet Dreier herzlich zur Rede seines Nachfolgers über (© Florian Schrötter).

Werner Dreiers Nachfolger ist seit Juni 2021 Patrick Siegele. Die Festschrift zeige, so Siegele, auf welch guter und gefestigter Basis _erinnern.at_ aufbauen könne:

„Ich sehe meine Aufgabe vor allem darin, die hervorragende Arbeit meines Vorgängers in dieser hohen menschlichen und fachlichen Qualität fortzusetzen. Die Umsetzung der nationalen Strategie gegen Antisemitismus wird in den kommenden Jahren eine besondere Herausforderung sein. Ich freue mich, dies zukünftig im sicheren und professionellen Umfeld des OeADs zu tun und bin mir sicher, dass dieser dazu beitragen wird, die Mission von _erinnern.at_ noch weiter zu verbreiten“, so Patrick, Siegele im Rahmen der Festschriftpräsentation.


Ebenso wie er betont auch Bildungsminister Heinz Faßmann die große Wichtigkeit, dass die zukünftige Arbeit von _erinnern.at_ als Bestandteil des österreichischen Bildungssystems fest verankert wird. Dies sei nun ab 2022 mit der Integration von _erinnern.at_ in den OeAD – Österreichs Agentur für Bildung und Internationalisierung – abgesichert.

Martina Maschke für den Vorstand von _erinnern.at_: „Die vergangenen 21 Jahre waren eine sehr produktive Phase, in der nachhaltig in die österreichische Bildungslandschaft hineingewirkt wurde. Nun stehen wir an einem Wendepunkt: Es ist uns als Vorstand eine besondere Freude, dass wir mit der Überleitung von _erinnern.at_ in den OeAD die im Regierungsprogramm verankerte langfristige Absicherung von _erinnern.at_ realisieren können. Wir, Manfred Wirtitsch und ich, werden die Arbeit von _erinnern.at_ nun in einer anderen Rolle begleiten und evaluieren“.

Auch OeAD Geschäftsführer Jakob Calice bekundete seine Freude über den Zusammenschluss in seinem Begleitwort zur Festschriftpräsentation: Der OeAD sei geehrt mit _erinnern.at_ eine solch große Expertise im Bereich Holocaust Education zu gewinnen und freue sich darauf, sich zukünftig gemeinsam mit _erinnern.at_ für die österreichische Erinnerungspädagogik einzusetzen.

Ganz in diesem Sinne blickten _erinnern.at_ und der OeAD im Anschluss an die feierliche Rückschau gemeinsam auf eine ebenso erfolgreiche Zukunft: Die Obfrau von _erinnern.at_, Martina Maschke und der Geschäftsführer des OeAD, Jakob Calice unterzeichneten feierlich den Überleitungsvertrag der institutionellen Integration. _erinnern.at_ wurde damit offiziell im OeAD willkommen geheißen.

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Jakob Calice, Geschäftsführer des OeAD, und Martina Maschke, Obfrau des Vereins _erinnern.at_ (© OeAD/APA-Fotoservice/ Arman Rastegar)

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Kernteam und Vorstand von _erinnern.at_ gemeinsam mit Jakob Calice (© OeAD/APA-Fotoservice/ Arman Rastegar)

Bestellung der Festschrift:

Die Festschrift kann für 24,90 Euro beim Studienverlag erworben werden:
Link zur Verlagsseite

 

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Erstellt am 2021-11-17T11:47:32+01:00, zuletzt geändert 2021-11-17T17:44:31+01:00