Sabine Pitscheider: Kematen in Tirol in der NS-Zeit. Vom Bauerndorf zur Industriegemeinde

Band 19 der Studien zur Geschichte und Politik (Michael-Gaismair-Gesellschaft), hg. von Horst Schreiber

Eine überwältigende Mehrheit der Ortsansässigen in Kematen in Tirol begrüßte im März 1938 den „Anschluss“ an das Deutsche Reich und
die Ablösung der ständestaatlichen durch die nationalsozialistische Diktatur. Die dörflichen Machtverhältnisse blieben bis auf eine kurze Phase dieselben, mächtige Bauernfamilien bestimmten weiterhin das Leben im Ort – nun allerdings gemeinsam mit der NSDAP. Doch der Zweite Weltkrieg veränderte Kematen nachhaltig. Die Messerschmittwerke produzierten hier Flugzeugteile, eine Südtirolersiedlung nahm die zugezogene Arbeiterschaft auf, im Zwangsarbeiterlager lebten Tausende Gefangene.

Auf die Befreiung im Mai 1945 folgte die langjährige Demokratisierung der Gemeindevertretung, die Registrierung der NationalsozialistInnen und deren Versuche, ihre Vergangenheit schönzureden. Das Zwangsarbeiterlager löste sich auf, Flüchtlinge kamen und lebten jahrelang in Kematen. Rückstellungsprozesse – Burghof, Messerschmitt, „arisiertes“ Sägewerk – beschäftigten die Gerichte viele Jahre. Die Messerschmittwerke, die mittlerweile Nähmaschinen herstellten, schlitterten schließlich in den Konkurs.

Diese quellenreiche Publikation schildert die wichtigsten Ereignisse der Gemeinde Kematen in Tirol von 1935 bis in die 1950er Jahre und ihre (fast) vergessene Geschichte.

 

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