Aspekte zur Genese und Struktur des „Zigeunerlagers“ Lackenbach

Von Herbert Brettl - In: Verfolgung und Ahndung. Jahrbuch des DÖW 2021. Christine Schindler (Hg.) im Auftrag des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Wien 2021

Der zweckentfremdete ehemalige esterházysche Gutshof war ein Anhaltelager, das mit dem vorgeschobenen Zweck der Einsparung von Fürsorgegeldern eingerichtet wurde, um die aus rassistischen Motiven verfolgten Roma auszugrenzen und an einem Ort zu konzentrieren. 
Lackenbach war ein Arbeitslager, wo die arbeitsfähigen Männer, Frauen und auch Kinder unter schwierigsten Bedingungen, teils unter Gewaltanwendung, Zwangsarbeit verrichten mussten.
Als Provisorium gedacht, lediglich auf Basis eines Erlasses Heydrichs betrieben, war es entsprechend den jeweiligen Beschlüssen aus Berlin, ein Durchgangslager in die Vernichtung. Von den ca. 4.000 Lackenbacher Häftlingen erlebten nur einige Hundert die Auflösung des Lagers Ende März 1945. Von Lackenbach weg wurden tausende Roma mit Lastwagen und Zügen in das polnische Getto Litzmannstadt/Łódź und später in das Vernichtungslager Auschwitz/Birkenau verlegt. Das burgenländische Lager Lackenbach wurde dadurch ein Teil des Porajmos, des Völkermordes an den europäischen Roma und Sinti.

Kategorisierung

Stichworte
Roma/Sinti Zwangsarbeit
Region/Bundesland
Burgenland
Erstellt am 2021-09-19T16:51:42+01:00, zuletzt geändert 2021-09-19T16:52:39+01:00