Diskussion über das Denkmal zu Ehren eines Generalmajors der Waffen-SS in Tristach, Osttirol

Generalmajor Helmuth von Pannwitz befehligte die 1. Kosaken-Division, die am Balkan schwere Kriegsverbrechen beging.

„Namentlich die 1. Kosaken-Kavallerie-Division wurde dabei durch eine Vielzahl von Plünderungen, Vergewaltigungen und Erschießungen berüchtigt, die sich nicht nur gegen Partisanen, sondern auch gegen die Zivilbevölkerung richteten. So ermordeten Kosaken im Dezember 1944 in der Ortschaft Djurdjevac im Drautal 26 Zivilpersonen, vergewaltigten zahlreiche Frauen und Mädchen, plünderten die Ortschaft und nahmen auch das Vieh und die Lebensmittelvorräte mit“, schreibt Christian Koller zu Geschichte und Memoria der Kosaken auf dem Balkan im Zweiten Weltkrieg.

 

Weiters stellt er fest:

„Die Bewertung der Kollaboration von Kosaken mit Hitlerdeutschland und ihre unfreiwillige ‚Repatriierung‘ zu Kriegsende geben bis heute Anlass zu Kontroversen, die in verschiedenen Ländern Europas unterschiedliche Dimensionen aufweisen. Die Betonung der Auslieferung der Lienzer Kosaken an die Sowjetunion (sowie kroatischer und slowenischer Faschisten in Bleiburg an die jugoslawischen Partisanen) in rechtsextremen Geschichtsdiskursen blendet mit ihrem Akzent auf der Opferrolle bewusst die Beteiligung an Hitlers Vernichtungskrieg aus. An verschiedenen Orten erinnern Denkmäler an das damalige Geschehen. In Lienz sind dies der Kosakenfriedhof und ein Gedenkstein für Generalmajor von Pannwitz und das XV. Kosakenkavallerie-Korps in Tristach, wo jährliche Gedenkfeiern von Überlebenden, Nachkommen und Sympathisanten stattfinden.“

Generalmajor Pannwitz wurde im Jänner 1947 wegen Kriegsverbrechen in Moskau nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofes hingerichtet. Nach Initiativen seiner Familie rehabilitierte die Militärstaatsanwaltschaft Moskau ihn 1996 als Opfer der Stalinzeit. 2001 wurde die Rehabilitierung wieder außer Kraft gesetzt.

Nun hat der Historiker Peter Pirker eine Debatte über den Gedenkstein für Pannwitz im Ortszentrum von Tristach ausgelöst. Der Gemeinderat möchte im Herbst entscheiden, was mit dem Gedenkzeichen geschehen soll.

Diskussion um Denkmal für einen Kriegsverbrecher in Tristach, TT, 19.7.2021

Tristach: Umstrittener Gedenkstein, orf.at, 30.8.2021

Virtuelle Ausstellung über die Flucht der Kosaken und Kosakinnen nach Lienz zu Kriegsende

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Stichworte
Erinnerungskultur Nationalsozialismus
Region/Bundesland
Tirol
Erstellt am 2021-08-24T15:00:37+02:00, zuletzt geändert 2021-09-10T22:46:00+02:00