Siglinde Bolbecher (1952 - 2012)

Die Historikerin, Exilforscherin, Lyrikerin, Mitbegründerin und stellv. Vorsitzende der Theodor Kramer Gesellschaft ist am 6. Juli 2012 in Wien verstorben.

Sigline Bolbecher prägte nicht nur die Geschichte der Theodor-Kramer-Gesellschaft, sondern sie war auchengagierte Mitarbeiterin beim DÖW. Im März 2012 erhielt sie das "Goldenen Ehrenzeiches für Verdienste um die Republik Österreich".

Aus dem Nachruf des DÖW:

"Am 18. Juni 1952 in Wien geboren, widmete sich Siglinde Bolbecher nach dem Studium der Theaterwissenschaft, Anglistik, Geschichte und Philosophie an der Universität Wien insbesondere der Erforschung und Verbreitung der österreichischen Literatur des Exils und des Widerstands und leistete auf diesem Gebiet Pionierarbeit. 1984 war sie Mitbegründerin der Theodor Kramer Gesellschaft, der sie bis zuletzt als stellvertretende Vorsitzende angehörte. Ebenfalls seit 1984 fungierte sie als Mitherausgeberin der Zeitschrift Mit der Ziehharmonika (seit 2000 Zwischenwelt) und der Zwischenwelt-Jahrbücher (seit 1990). Als Herausgeberin und Lektorin prägte sie auch die Buchreihe antifaschistische Literatur und Exilliteratur - Studien und Texte (seit 1987) - daraus entstand 1995 der Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft.

Bolbecher war u. a. Herausgeberin der gesammelten Werke von Stella Rotenberg und Mitherausgeberin und Mitautorin des Standardwerks Lexikon der österreichischen Exilliteratur (2000). Sie veröffentlichte zahlreiche Studien, organisierte Symposien, Tagungen und Lesungen. Besonderes Anliegen war ihr die Erforschung der Rolle von Frauen im Exil sowie des Frauen- und Männerbilds im Nationalsozialismus. 1995 organisierte sie das erste Symposium in Österreich zum Thema Frauen im Exil. Seit 2002 leitete sie die von ihr ins Leben gerufenen Frauen-AG im Rahmen der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung. 2007 erschien die von ihr herausgegebene Publikation Frauen im Exil. An der Bundesakademie für Sozialarbeit in Wien, an der sie unterrichtete, hielt sie u. a. Lehrveranstaltungen zur feministischen Sozialarbeit ab. Ihre Beziehungen zum DÖW datieren lange zurück. 1985 etwa wurde hier die von ihr und ihrem Mann Konstantin Kaiser initiierte Ausstellung Kabarett und Satire im Widerstand 1933-1945 gezeigt; sie war in das Interview-Projekt Erzählte Geschichte ebenso eingebunden wie in viele andere Forschungen im Rahmen des DÖW zur Dimension und Leistung des österreichischen Exils. Bolbechers Geschichtsverständnis war dabei immer auch auf die Gegenwart fokussiert, so schrieb sie u. a., dass "diejenigen, die Gesetze und Verordnungen gegen Flüchtlinge dekretieren, die Geschichte des Exils kennen sollten". - link

Sie verfasste zahlreiche Studien und Beiträge zur österreichischen Exilliteratur und Zeitgeschichte.

Werkverzeichnis: - link

Nachruf im "Standard" (10. Juli 2012): - link
 

Erstellt am 2012-08-08T17:51:00+01:00, zuletzt geändert 2020-04-22T07:15:59+01:00