Internationales Projekt "Gegen Antisemitismus in Schulen und Hochschulen"

Zusammenschluss von drei Instituten in der Schweiz, in Bayern und Österreich um Lehrpersonen in der Aus- und Weiterbildung zu unterstützen, gegen Antisemitismus und Holocaust Distortion präventiv, aktiv und intervenierend unterrichten zu können

Auch in deutschsprachigen Ländern sind Lehrende an Schulen und Hochschulen zunehmend mit Antisemitismus konfrontiert. Nicht selten geht dies einher mit der Verzerrung des Holocaust (Holocaust Distortion) oder gar Leugnung des Holocaust, mit Verschwörungstheorien sowie mit verschiedenen Formen Gruppen bezogener Menschenfeindlichkeit. Eine wichtige Voraussetzung, um mit diesen gesellschaftlichen und unterrichtlichen Herausforderungen angemessen umzugehen, sind qualifizierte Lehrpersonen, die über spezifisches Fachwissen, reflektierte Überzeugungen und über eine stabile motivationale Orientierung verfügen. Um die Hochschulen, die LehrerInnen aus- und weiterbilden, sowie die LehrerInnen in ihrer Alltagsarbeit bei dieser spezifischen Aufgabe gut zu unterstützen, haben sich _erinnern.at_ , das Büro des Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für Jüdisches Leben und gegen Antisemitismus sowie das Institut für Geschichtsdidaktik und Erinnerungskulturen an der Pädagogischen Hochschule Luzern zusammen geschlossen mit dem Ziel, Situationsanalysen zu erstellen, Empfehlungen auszuarbeiten, Handlungsrichtlinien zu verfassen und deren Umsetzung zu unterstützen.

 

Das von der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) geförderte Netzwerk wird ab Sommer 2020 gemeinsam mit ExpertInnen unterschiedlicher Fachrichtungen erkunden und definieren, in welchen Fächern, in welchen curricularen Zusammenhängen und in welchem Lernalter methodisch und didaktisch angemessen gegen Antisemitismus präventiv, aktiv und intervenierend unterrichtet und gebildet werden kann und wie Lehrpersonen in der Aus- und Weiterbildung am besten darauf vorbereitet werden können.

Projektpartner

Das Institut für Geschichtsdidaktik und Erinnerungskulturen der Pädagogischen Hochschule Luzern erforscht den Umgang von Menschen mit dem Universum des Historischen. Es verfolgt das Ziel, Interesse für Vergangenheit zu wecken und das aufgeklärte Lernen aus der Geschichte für die Gegenwart und die Zukunft zu ermöglichen. Eine besondere Stärke des Instituts ist der erfolgreich umgesetzte zirkuläre Prozess von Forschung, Theorie und Praxis zum Beispiel zum Umgang mit Holocaust.

Die Geschäftsstelle des Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus wurde im Frühjahr 2018 eingerichtet und hat seither neben der Zusammenarbeit mit den jüdischen Einrichtungen die Erwachsenenbildung und vor allem die schulische Bildung als einen wesentlichen Bereich präventiven und intervenierenden Handelns definiert. In einem von ihr initiierten Arbeitskreis der Kultusministerkonferenz und in der Kooperation mit den übrigen Beauftragten gegen Antisemitismus in Deutschland reicht ihre Tätigkeit über Bayern hinaus.

Methoden und erste Workshops

Als Vorgehensweise ist u.a. eine modifizierte Delphi-Methode, ein systematisches, mehrstufiges Befragungsverfahren von ExpertInnen verschiedenster Disziplinen, gewählt worden. Gemeinsam werden Möglichkeiten analysiert, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit im Allgemeinen und Antisemitismus im Besonderen zu identifizieren, zukünftige Ereignisse zu antizipieren und Handlungsmöglichkeiten in der LehrerInnen-Bildung zu erkennen.

Ein erster ExpertInnen-Workshop hat im Oktober 2020 in Bregenz stattgefunden, der nächste wird im Februar 2021 in München abgehalten, zusätzlich erfolgen mehrere Online-Einzelinterviews. Im Zentrum der Befragungen stehen u.a. folgende Kernfragen:

Welches berufliche Wissen sollten Lehrpersonen in der Grundausbildung erwerben, um gegen Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit im Allgemeinen und Holocaust-Verzerrung sowie Antisemitismus im Besonderen unterrichten zu können? Was wären Qualitätskriterien einer antisemitismuskritischen Pädagogik (Vermittlungsformen, Unterrichtsmaterialien)?

Welche Bereiche der LehrerInnenausbildung müssen in Betracht gezogen und ggf. modifiziert oder entwickelt werden (Lehrbücher, Lehrpläne; berufsbegleitende Lehrerausbildungsprogramme), um Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit im Allgemeinen und Holocaust-Verzerrung sowie Antisemitismus im Besonderen zu erkennen und zu verhindern?

_erinnern.at_ Schwerpunkt Prävention von Antisemitismus durch Bildung

Das Projekt ist Teil des Schwerpunktes Prävention von Antisemitismus durch Bildung, den _erinnern.at_ 2020 und 2021 verfolgt. Das Ziel des Vorhabens ist es, ein Paket von Angeboten für Lehrpersonen für die sekundäre Prävention von Antisemitismus zu entwickeln. Empfehlungen für eine angemessene Intervention für konkrete Szenarien (Unterrichtsvorschläge/ Handreichungen) werden entwickelt. Darüber hinaus wird eine Zusammenstellung von bestehenden und teils adaptierten Lernmaterialien angeboten sowie eine kommentierte Literaturliste zur antisemitismuskritischen Bildungsarbeit mit fachdidaktischen Konzepten und Empfehlungen. Zusätzlich werden spezifische Fortbildungen für Lehrpersonen und Workshops für den Unterricht konzipiert.

Kontakt

Dr. Werner Dreier, _erinnern.at_

office@erinnern.at

Prof. Dr. Peter Gautschi, Institutsleiter, Pädagogische Hochschule Luzern

peter.gautschi@phlu.ch

Dr. Robert Sigel, Geschäftsstelle des Beauftragten gegen Antisemitismus
Robert.Sigel@stmuk.bayern.de

Erstellt am 2020-11-27T19:32:36+01:00, zuletzt geändert 2020-12-01T17:21:34+01:00