Alpenländische Studien: Ein Projekt zum Umgang Tirols mit dem Nationalsozialismus

Das Projekt erforscht und visualisiert, wie Tirol und TirolerInnen mit seiner/ihrer NS-Vergangenheit umgingen und immer noch umgehen. Bereits vor Projektbeginn kam es zu öffentlichen Kontroversen.

 

Das Projekt erforscht und visualisiert, wie Tirol und TirolerInnen mit seiner/ihrer NS-Vergangenheit umgingen und immer noch umgehen. Es untersucht und zeigt gemeinsam mit Initiativen und ExpertInnen vor Ort die je lokalen Abgründe des auf einem Opfermythos basierenden jahrelangen Nicht-Thematisierens. Es beschäftigt sich mit Kontinuität und Brüchen, Erinnern und Schweigen, dem gegenwärtig sein von Geschichte. 
Der israelische Fotograf Tal Adler bereist erstmals Tirol, besucht HistorikerInnen und Gruppen der Zivilgesellschaft und bekommt in einem Prozess von Beobachten und Fragen stellen Dinge in den Blick, die selbst jenen Einheimischen als normal und nicht thematisierungswürdig erscheinen, die sich stets reflektierend mit der eigenen Geschichte und Gegenwart auseinandergesetzt haben: Der Anblick von Landesfestumzügen, Schützenvereinen, Burschenschaften, Kriegerdenkmälern wird „entselbstverständlicht“.


Dabei entstehen zwei auf einander bezogene fotografische Serien:

Fotoserie 1: Leveld Landscapes
„Leveld Landscapes“ ist eine Serie von Fotografien Tiroler Landschaften, an welchen nationalsozialistische Verbrechen stattfanden. „Leveld Landscapes“ beschäftigt sich vor allem damit, wie diese in der heutigen Landschaft (nicht) präsent sind.

Fotoserie 2: Freiwillige Teilnahme
Tal Adler wird im Rahmen dieses Projektes einige Gruppen lokaler Zivilgesellschaft zu einem Gruppenfoto einladen. Es handelt sich dabei jeweils um Gruppen, die es bereits vor oder zur Zeit des Nationalsozialismus in irgendeiner Form gab. Die freiwillige Partizipation in diesem Projekt fordert die TeilnehmerInnen unmittelbar heraus, sich mit ihrer geschichtlichen Erbschaft auseinander zu setzen: Was haben sie heute mit jenen gemein, die damals „sie“ waren?

Bei beiden Projektteilen ist die Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen, ExpertInnen, VertreterInnen von Institutionen zentral und grundlegend. Die Kommunikation mit ihnen, die gemeinsame Recherche und das kooperative Gestalten des Fotosujets ist wichtiger Teil der künstlerischen Arbeit selbst und wird mit dem Foto ausgestellt. Das Projekt schafft also auch ein umfassendes Panorama heutiger Tiroler Erinnerungspolitik.

„Alpenländische Studien“ wurde im Rahmen des FWF Projekts MemScreen an der Akademie der bildenden Kunst in Wien vorbereitet und ist der Tiroler Schwerpunkt einer österreichweiten Recherche.

Das von der TKI open ausgewählte Projekt wurde zunächst vom Land Tirol als nicht fördewürdig abgelehnt, unter anderem mit der Begründung, dass die NS-Vergangenheit Tirols bereits aufgearbeitet wäre. Daraufhin kam es zu einer breiten, auch in den Medien ausgetragenen Auseinandersetzung, auch von Zensur war die Rede. Nach einem Gespräch der ProjektbetreiberInnen mit Dr. Benno Erhard vom Tiroler Kulturamt scheint das Projekt nun die Aussicht auf Landesförderung zu haben - allerdings nicht im Rahmen der TKI open.

 

KulturGespräch. Debatte im Radio Freirad, 2.2.2012 über das Projekt Alpenländische Studien und das weitere abgelehnte Projekt Wahlen sind Betrug

Detaillierte Informationen zum Projekt sowie zahlreiche Stellungnahmen und Medienberichte auf der Seite der TKI

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