Zeitzeugenbesuch Alois Kaufmann – Kindheit am „Spiegelgrund“

Am Freitag, den 19. Februar 2010, besuchte der Zeitzeuge Alois Kaufmann das G19, Gymnasiumstr. 83, 1190 Wien, und sprach zu den SchülerInnen der 4A und 4B.

Alois Kaufmann wird 1934 in Graz geboren und von seiner Mutter zunächst zu Pflegeeltern gegeben. Mit vier Jahren kommt er zu einer Verwandten seines Vaters nach Wien. 1943 wird er in die Kinderübernahmestelle eingewiesen und von dort an das "Wiener Städtische Erziehungsheim" auf dem "Spiegelgrund" überwiesen, wo er bis April 1945 bleiben muss. Seine Kindheitserlebnisse in dieser NS-Euthanasieanstalt haben ihn nie wieder losgelassen. Seit den 1980er Jahren arbeitet er daran, dass die Geschichte der Kinder vom "Spiegelgrund" nicht im Vergessen verschwindet.
Herr Kaufmann, einer der wenigen Überlebenden der Kindereuthanasieanstalt  Am Spiegelgrund“ (heute „Psychiatrisches Krankenhaus Baumgartner Höhe“), berichtete von seinen traumatischen Erfahrungen als Neun- bis Elfjähriger in dieser Anstalt.
Am „Spiegelgrund“ wurden bis 1945 rund 800 Kinder ermordet.
Die SchülerInnen schrieben im Anschluss an dieses Zeitzeugengespräch Berichte und Reflexionen. Daraus einige Auszüge:


Alois Kaufmann2Jemandem persönlich zuzuhören, der so Schreckliches erleiden musste, war eine der emotionalsten Erfahrungen, die ich bis jetzt erlebt habe. Wie Alois Kaufmann seine Erlebnisse am „Spiegelgrund“ schilderte, war so berührend und gleichzeitig so schockierend, dass ich oft den Tränen nahe war. Und nach dem Gespräch brauchte ich einige Zeit, um seine Worte zu verarbeiten. Die Dinge, die dort mit Menschen, vor allem Kindern, die laut Nazis als behindert galten, gemacht wurden, müssen gesagt werden. Viele Menschen wollen es einfach nicht wahrhaben, doch es ist Teil der Geschichte unseres Landes, es betrifft uns alle, wir dürfen davor die Augen nicht verschließen. Die Wahrheit bleibt immer das Wichtigste. Die Kinder kamen schuldlos dorthin und wurden getötet. Ania G.

 

Ich weiß, dass ich die Geschichte Alois Kaufmanns nicht am besten erzählen kann. Mir fehlen die Worte dazu, diese schrecklichen Erlebnisse zu beschreiben. Aber Alois Kaufmann selber kann es so lebhaft erzählen, dass ich die Bilder vor meinen Augen sah. Es war ein trauriger Vormittag, aber einer, an dem man viel lernen konnte.
Herr Kaufmann, ich möchte Ihnen aus ganzem Herzen danken, dass sie zu uns gekommen sind, und falls Sie je diesen Aufsatz lesen werden, möchte ich, dass Sie wissen, dass ich diesen Vormittag nie vergessen werde. Rebeka C.
  

Alois Kaufmann3Herr Kaufmann hat uns mit einem seiner ersten Sätze ans Herz gelegt, immer die Wahrheit zu sagen. Ich finde, daran merkt man, dass er in einer Zeit voller Lüge und Hinterlist aufgewachsen ist.
Er beschrieb in vielen Details, wie schrecklich es für ihn und für alle anderen war. Herr Kaufmann hat wirklich ausführlich erzählt, und doch bin ich mir sicher, dass man nicht alle Verbrechen, die in der gesamten Zeit am „Spiegelgrund“ den Kindern angetan worden sind, aufzählen kann. Es waren einfach zu viele und zu schreckliche, und ich bin mir sicher, dass viele, obwohl sie sich daran erinnern, nicht darüber erzählen möchten. Glücklicherweise brachte es Herr Kaufmann übers Herz, uns davon zu berichten. Er versuchte es zwar zu verbergen, aber es war ihm trotzdem anzusehen, dass es ihm wirklich schwer fiel, über diese schreckliche Zeit zu berichten und all die schlechten und grausamen Erinnerungen zu erzählen. Lorenz K.


Ich weiß es zu schätzen, die letzte Generation zu sein, die wirklich noch mit diesen Opfern geredet hat. Ich finde, dass diese Leute ein Recht darauf haben, in die Geschichte als diese wenigen Überlebenden des Holocaust einzugehen, und ich glaube, dass es nötig ist, der Menschheit zu übermitteln, was damals passiert ist. Deshalb ist es beachtlich, dass der Zeit-zeuge Alois Kaufmann auch einige Bücher zur schriftlichen Übermittlung geschrieben hat. Julia D.


Niemand wird je in der Lage sein zu verstehen, was Alois Kaufmann und den anderen Kindern am „Spiegelgrund“ widerfahren ist, aber ich denke, dass es deshalb um so wichtiger ist, einen Teil dieser Geschichte – in Form von Vorträgen oder Büchern – an zukünftige Generationen weiterzugeben. Ich persönlich habe mich bereits nach wenigen Sätzen aus Herrn Kaufmanns Vortrag für den weiteren Verlauf und den Ausgang seiner Geschichte interessiert. Davon abgesehen ist es bewundernswert, wie politisch engagiert er nach wie vor ist und sich für die Opfer des „Spiegelgrunds“ einsetzt. Jan E.

 

Alois Kaufmann 4

Was mich am Freitag tief berührt hat, waren folgende Sätze von Alois Kaufmann: „Jeder Mensch hat das Recht zu leben! Es gibt keine Rassen, es gibt nur Menschen!“ und „Wer lügt, hat schon verloren!“ Sätze wie diese zeigen, wie solche Tragödien prägen können.
Weiters möchte ich meine Bewunderung den Menschen aussprechen, die solch einen Lebenswillen bewiesen haben. Alois Kaufmann erzählte, er hätte noch immer Albträume. Er hätte sich zu Beginn nicht getraut, über Brücken zu gehen und mit U-Bahnen zu fahren. Ich persönlich würde diesem Menschen einen Orden für außergewöhnlich starken Überlebenswillen verleihen. Thomas Sch.

 

Als er uns das alles erzählte, merkte ich oft, dass ihm die Tränen in den Augen standen – doch kann ich das voll und ganz verstehen. Denn solche Bilder kann man nicht vergessen.
Aber die schönsten Worte, die mich tief berührt haben, waren die, mit denen er seiner Frau dankte. Ich freue mich sehr für ihn, dass er so einen Menschen gefunden hat, der ihm nun die Liebe und Geborgenheit schenkt, die er so viele Jahre nicht bekommen hat. Julia J.

Weitere Informationen zu den Büchern von Alois Kaufmann: http://www.aloiskaufmann.at

 

Kaufmann und SchülerInnen
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