IWalk „Die Verfolgung und Vertreibung der jüdischen Bevölkerung in Wien-Favoriten ab 1938“ – virtueller Rundgang

Der neu entwickelte IWalk „Die Verfolgung und Vertreibung der jüdischen Bevölkerung in Wien-Favoriten ab 1938“ ist ab sofort verfügbar. Der app-basierte Rundgang entstand in Kooperation zwischen ERINNERN:AT, der Zachor Foundation for Social Remembrance Budapest und einer Schüler:innen-Projektgruppe der BAfEP Wien 10 (Favoriten).

Das kostenlose Bildungsangebot verknüpft an fünf Stationen ehemalige Wohnorte und Biografien von Jüdinnen und Juden mit lehrplanrelevanten Aspekten der historisch-politischen Bildung über den Nationalsozialismus. Anhand konkreter Biografien erfahren die Nutzer:innen, wie Jüdinnen und Juden während des Nationalsozialismus diskriminiert, enteignet, verfolgt und zur Flucht oder zur Zwangsarbeit gezwungen wurden. Auf dem Rundgang berichten die Holocaustüberlebenden Herta Münzer und Trude Lang in kurzen Zeitzeug:innen-Interviews von ihrer Kindheit und Jugend in Wien-Favoriten. Sie erzählen von der Trennung von ihren Eltern, von Flucht, systematischen Deportationen und Zwangsarbeit in Konzentrationslagern, aber auch von Zivilcourage und Zusammenhalt.

Der IWalk lädt zudem dazu ein, die Geschichten jüdischer Familien aus Wien-Favoriten nachzuvollziehen und unterschiedliche Erinnerungszeichen im heutigen Stadtbild des 10. Wiener Gemeindebezirks bewusst wahrzunehmen sowie die Abwesenheit von Erinnerungszeichen an bestimmten Orten zu hinterfragen. Die Impuls- und Reflexionsfragen an den einzelnen Stationen legen darüber hinaus ein besonderes Augenmerk auf die Positionierung der Nutzer:innen zu ihrer gegenwärtigen Lebenswelt und zu Themen wie Flucht, Vertreibung, Zivilcourage und Widerstand. Sie regen dazu an, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, warum die Erinnerung an die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen für unsere heutige Gesellschaft eine wichtige Rolle spielt.

Mit der IWalk-App können Nutzer:innen anhand historischer Fotos und Dokumente aber auch jene Orte in Wien-Favoriten erkunden, die vor 1938 Zentren des lebendigen jüdischen Gemeindelebens im Bezirk waren – von zu Hause aus, im Klassenzimmer oder direkt vor Ort.

Das Besondere an diesem IWalk ist, dass er gemeinsam mit Schüler:innen der BAfEP (Bundesbildungsanstalt für Elementarpädagogik) Wien 10 entwickelt wurde. In fünf Videos haben die Schüler:innen wichtige biografische Hintergrundinformationen und Orte des NS-Unrechts in ihrem Schulbezirk recherchiert, für andere Schüler:innen aufbereitet und an der Entwicklung der Fragestellungen mitgewirkt. Der IWalk wurde von der Wiener ERINNERN:AT-Netzwerkerin und Lehrerin Daniela Lackner konzipiert. Dabei wurde besonders darauf geachtet, dass sich die Nutzer:innen mit unterschiedlichen historischen Quellen auseinandersetzen und im Sinne demokratiebildender Kompetenzen Bezüge zwischen Vergangenheit und Gegenwart herstellen können.

Der IWalk ist für Schüler:innen der Sekundarstufe 2 geeignet. Im schulischen Kontext können Lehrpersonen die Arbeitsergebnisse der SchülerInnen über die Plattform IWitness begleiten. Für die Teilnahme am etwa einstündigen IWalk ist kein Vorwissen erforderlich; ein integriertes Glossar unterstützt bei unbekannten Begriffen.

IWitness bietet darüber hinaus Aktivitäten für SchülerInnen sowie didaktische Materialien für den Unterricht mit ZeitzeugInnen-Interviews aus dem USC Visual History Archive. Mit fast 60.000 Video-Interviews von Überlebenden des Holocaust und anderer Genozide zählt es zu den größten digitalen Videoarchiven weltweit.

Lernziele

Nach diesem IWalk können SchülerInnen …

  •  …  jüdisches Leben in Wien-Favoriten vor 1938 skizzieren (Schule, gesellschaftliche Diversität, Religion) und zentrale Mechanismen der NS-Verfolgungspolitik erkennen.
  • … sich anhand von Biografien NS-Verfolgter mit lehrplanrelevanten Aspekten der historisch-politischen Bildung über den Nationalsozialismus auseinandersetzen (Enteignung, systematische Verfolgung, Zwangsarbeit, Widerstand)
  •  …  die Bedeutung von Erinnerungszeichen im öffentlichen Raum erkennen sowie deren historische Hintergründe einordnen und erläutern.
  • …  reflektieren, wie Geschichte im heutigen Stadtbild sichtbar bleibt, unsichtbar gemacht wurde oder neugestaltet werden kann.
  • … sich mit Video-Interviews von Holocaustüberlebenden als Form der Oral History auseinandersetzen und diese als historische Quelle begreifen.
  • … Bezüge zwischen Vergangenheit und Gegenwart herstellen und die Bedeutung von Erinnerungskultur für eine demokratische Gesellschaft reflektieren (Flucht, Vertreibung, Zivilcourage, Antisemitismus)

Alle österreichischen IWalks und Download der IWalk App

Der virtuelle Rundgang läuft über die IWalk-App. Die App kann kostenfrei am eigenen Smartphone installiert und der gewünschte IWalk dann in der App gedownloadet werden. Nach dem erfolgreichen Download der ist keine Internetverbindung mehr für die Durchführung der IWalks nötig. Hier finden Sie alle österreichischen IWalks von ERINNERN:AT, alle Hintergrundinformationen und Downloads.

Veröffentlicht am 03.11.2026, zuletzt geändert 03.11.2026