11 Stolpersteine - 11 Menschen

Am 25. März 2012 wurden in der Klagenfurter Innenstadt 11 Stolpersteine für 11 jüdische Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Hinter diesen 11 Steinen stehen die Lebensgeschichten von 11 Personen samt ihren Familien.

HERMINE PREIS

geboren 1870 in Linz

Dr. Arthur Lemisch Platz 1

ermordet am 8. Juni 1944 im KZ Auschwitz

Hermine Preis, geborene Mautner, verehelichte sich im Jahre 1892 mit dem Klagenfurter Unternehmer Adolf Preis. Sie betrieben in Klagenfurt eine Schneiderei und ein Herrenkonfektionsgeschäft. Hermine Preis brachte fünf Kinder Robert, Emil, Marianne, Felix und Dora zur Welt. In der „Reichskristallnacht“, im November 1938, war die Familie Preis Opfer von gewalttätigen Ausschreitungen. Das Geschäft und die Wohnung wurden von nationalsozialistischen Trupps verwüstet und geplündert. Das Geschäft und die Wohnung wurden arisiert. Über die Zerstörungen berichtete nach dem Krieg Frau Elisabeth Iris Puschl, Enkeltochter von Hermine Preis uns damals sechs Jahre alt: „Ich habe das Gefühl gehabt, als ob dort eine riesige Bahn durchgefahren sei, so arg waren der Krawall und der Radau, das Krachen von umgestürzten Möbeln und zersplitternden Geschirr, dann krachte es auch unten im Hof und auf der Straße. Die Bilder an den Wänden sind einfach zerschnitten worden. Das spielte sich massiert an einem Tag ab. Es waren vorwiegend junge Leute, die in mehreren Wellen immer wieder kamen. Meine Mutter wollte immer wieder hinüber in die Wohnung der Großmutter, aber mein Vater hat sie mit aufgehobenen Händen gebeten: „Geh nicht hinüber, so geh doch nicht hinüber“. Sie ist aber in verschiedenen Pausen doch immer wieder hinüber geschlichen und hat verschiedenes zu retten versucht und herübergebracht“. Ihre Söhne Robert, Emil und Felix wurden verhaftet und in das KZ Dachau verschleppt, wo sie bis zum 10. Dezember interniert wurden. In der ersten Hälfte des Jahres 1942 wurde die damals 72-jährige Hermine Preis verhaftet und laut Aussage ihrer Enkeltochter, von Klagenfurt aus vorerst nach Wien und später, im Juli 1942, in das KZ Theresienstadt deportiert. Am 22. April 1944 schrieb Hermine Preis aus dem KZ Theresienstadt das letzte Mal nach Klagenfurt zu ihrer dort lebenden Tochter Marianne Schiffler, dass es ihr „recht gut geht und dass ihre beiden Enkelkinder Evi und Peter, die sich ebenfalls im KZ Theresienstadt befanden, sehr gewachsen sind“. Am 15. Mai 1944 wurde sie in das KZ Auschwitz überstellt, wo sie ermordet wurde.

Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 186, 187, 188, 190, 215, 238, 239, 241, 244, 245. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Theresienstädter Gedenkbuch, Prag 2005, ISBN 3-8258-7590-3.

 

MANUEL NEUMANN

geboren am 12. Mai 1858

Wienergasse Nr. 4

ermordet am 8. September 1942 im KZ Theresienstadt

Emanuel Neumann beteiligte sich im Jahre 1887 an der Gründung des Kultusvereins. Im Jahre 1899 hat er sich mit seiner Frau Mathilde in der Klagenfurter Innenstadt angesiedelt, wo er im Jahre 1905 das Haus Wienergasse Nr. 4 erwarb. Nach der Machtergreifung der Nazis ging er nach Wien, von wo er am 15. Juli 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert wurde, wo er ermordet wurde.

Quelle: Zentrale Datenbank der Holocaustopfer von Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 18, 19, 28, 36, 38, 78, 80, 102, 235, 236, 237, 245. Theresienstädter Gedenkbuch, Prag 2005, ISBN 3-8258-7590-3.

 

MATHILDE NEUMANN

geboren am 25. April 1860

Wienergasse 4

ermordet am 7. Oktober 1942 im KZ Theresienstadt

Mathilde Neumann, geborene Tausig, war mit Emanuel Neumann verheiratet. Nach der Machtergreifung der Nazis im März 1938 musste sie nach Wien gehen. Am 15. Juli 1942 wurde sie in das KZ Theresienstadt deportiert, wo sie ermordet wurde.

Quelle: Zentrale Datenbank der Holocaustopfer von Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 71, 75, 77, 98, 235, 236, 237, 245. Theresienstädter Gedenkbuch, Prag 2005, ISBN 3-8258-7590-3.

 

ALFONS NEUMANN

geboren am 22. August 1888 in Klagenfurt

Wienergasse 4

ermordet am 22. Juli 1941 im KZ Buchenwald

Alfons Neumann war der Sohn von Emanuel und Mathilde Neumann, geborene Tausig, die in Klagenfurt Wienergasse 4 ein Haus besaßen. Im Jahre 1922 erwarb er die österreichische Staatsbürgerschaft. Während der Kriegszeit hielt er sich in Graz auf. Er wurde in das KZ Buchenwald deportiert, wo er ermordet wurde.

Quelle: Zentrale Datenbank der Holocaustopfer von Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 78, 102.

 

FELIX PREIS

geboren am 30. September 1896 in Klagenfurt

Paradeisergasse 4, 9020 Klagenfurt

ermordet am 28. Februar 1944 im KZ Theresienstadt

Felix Preis wurde am 30. September 1896 in Klagenfurt geboren und entstammte einer angesehenen jüdischen Familie. Zum Familienbetrieb gehörten mehrere Konfektionsgeschäfte und Werkstätten. Felix hatte zwei ältere Brüder und zwei Schwestern. Alle drei Brüder meldeten sich freiwillig zum Ersten Weltkrieg. Im Juni 1917 wurde Felix Preis schwer verwundet und geriet in italienische Kriegsgefangenschaft. Aufgrund seiner Kriegsverletzung blieb Felix ständig invalid. Nach dem 1. Weltkrieg übernahm er ein Konfektionsgeschäft in Klagenfurt. Er heiratete am 17. September 1933 Else Schneider, die am 25. April 1908 in St. Johann im Pongau geboren wurde und wo ihre Eltern eine Schneiderei und ein Kaufhaus besaßen. Am 22. März 1935 kam ihre Tochter Eva und am 12. Juni 1936 ihr Sohn Peter in Klagenfurt zur Welt. In der „Reichskristallnacht“ vom 10. November 1938 wurde auch die Familie Preis zum Angriffsziel der Nationalsozialisten. Felix Preis wurde mit seinen beiden Brüdern Robert und Emil in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert, wo sie ein Monat später wieder freigelassen wurden. Anschließend übersiedelte Felix Preis mit seiner Frau und seinen beiden Kindern nach Wien, weil er glaubte, dort sicherer zu sein. Er suchte in Wien um eine Ausreiseerlaubnis an, welche ihm aber abgewiesen wurde. Die Familie wechselte sehr oft ihre Wohnung, ihre letzte Wohnadresse war Wien 2, Hofenedergasse 6/28. Am 20. August 1942 wurde die gesamte Familie mit dem Transport IV/8 von Wien in das KZ Theresienstadt deportiert. Dort starb Felix Preis am 29. Februar 1944. Seine Frau Else wurde mit ihrem Sohn Peter und ihrer Tochter Eva am 16. Mai 1944 in das KZ Auschwitz überstellt, wo sie ermordet

wurden. Seine beiden Brüder Robert und Emil gelang die Flucht nach Italien. Beide überlebten und kehrten nach dem Krieg nach Klagenfurt zurück.

Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 90, 98, 102, 237, 238, 245. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Theresienstädter Gedenkbuch, Prag 2005, ISBN 3-8258-7590-3.

 

ELSE (LISL) PREIS

geboren am 25. April 1908 in St. Johann im Pongau

Paradeisergasse 4, 9020 Klagenfurt

ermordet im KZ Auschwitz

Else Preis, geborene Schneider, verheiratete sich am 17. September 1933 mit Felix Preis. In St. Johann im Pongau besaßen ihre Eltern eine Schneiderei und ein Kaufhaus. Am 22. März 1935 kam ihre Tochter Eva und am 12. Juni 1936 ihr Sohn Peter in Klagenfurt zur Welt. Nach der „Reichskristallnacht“ vom 10. November 1938 begab sich das Ehepaar mit ihren beiden Kindern aus Sicherheitsgründen nach Wien, wo sie um eine Ausreiseerlaubnis ansuchten.

Am 20. August 1942 wurde sie gemeinsam mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in das KZ Theresienstadt deportiert. Von dort wurde sie mit ihren beiden Kindern Eva und Peter am 16. Mai 1944 in das KZ Auschwitz überstellt, wo sie ermordet wurde.

Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 186, 187, 188, 190, 215, 238, 239, 241, 244, 245. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Theresienstädter Gedenkbuch, Prag 2005, ISBN 3-8258-7590-3.

 

EVA PREIS

geboren am 22. März 1935 in Klagenfurt

Paradeisergasse 4, 9020 Klagenfurt

ermordet im KZ Auschwitz

Evas Preis war die Tochter von Else und Felix Preis. Im Jahre 1938, im Alter von drei Jahren, zog sie zusammen mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder Peter nach Wien, wo sich die Familie bei der Kultusgemeinde für Auswanderungsplätze registrieren ließ.

Am 20. August 1942 wurde die gesamte Familie Preis in das KZ Theresienstadt deportiert, wo Eva ihre Großmutter Hermine wieder sah, die ein Monat vorher nach Theresienstadt deportiert wurde.

Von dort wurde sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder Peter am 16. Mai 1944 in das KZ Auschwitz überstellt, wo sie ermordet wurde.

Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 237, 238, 239. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Theresienstädter Gedenkbuch, Prag 2005, ISBN 3-8258-7590-3.

 

PETER ADOLF PREIS

geboren am 12. Juni 1936 in Klagenfurt

Paradeisergasse 4, 9020 Klagenfurt

ermordet im KZ Auschwitz im Jahre 1944

Peter Preis war der Sohn von Else und Felix Preis. Im Jahre 1938, im Alter von zwei Jahren, ging er zusammen mit seinen Eltern und seiner älteren Schwester Eva nach Wien, wo sich die Familie bei der Kultusgemeinde für Auswanderungsplätze registrieren ließ.

Am 20. August 1942 wurde er zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester in das KZ Theresienstadt deportiert. Von dort wurde er als Sechsjähriger mit seiner Mutter am 16. Mai 1944 in das KZ Auschwitz überstellt, wo er ermordet wurde.

Quelle: Walzl, August: Juden in Kärnten – der Fall Preis als Exempel, in: Zeitgeschichte, Heft 5, S. 183 – 193, Wien 1983. August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 237, 239. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Theresienstädter Gedenkbuch, Prag 2005, ISBN 3-8258-7590-3. Walzl, August: Juden in Kärnten – der Fall Preis als Exempel, in: Zeitgeschichte, Heft 5, S. 183 – 193, Wien 1983

 

OTTO ZEICHNER

geboren am 19. Februar 1921 in Klagenfurt

ermordet am 11. November 1942 im KZ Auschwitz

Adlergasse 14

Otto Zeichner, von Beruf Student, ist nach Holland geflüchtet und hielt sich während des Krieges in Westerbork auf. Von dort wurde er mit einen Transport holländischer Juden in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und ermordet

Quelle: Datenbank der Holocaustopfer im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, ISBN 3-85378-298-1.

 

BERTA ZEICHNER

geboren am 4. März 1894 in Tulln

Adlergasse 14

deportiert nach Kielce/Polen

Berta Zeichner wurde am 19. Februar 1941 von Wien nach Kielce deportiert. Todesort und nähere Umstände ihres Todes sind nicht bekannt.

Quelle: Datenbank der Holocaustopfer im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, ISBN 3-85378-298-1.

 

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