Pflichtbesuche in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen?

Staatsekretärin Karoline Edtstadler forderte den verpflichtenden Besuch der Gedenkstätte Mauthausen für Muslime. Bertrand Perz, Professor am Institut für Zeitgeschichte Wien und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats von _erinnern.at_ nimmt dazu Stellung.

Immer wieder einmal wird für PolitikerInnen der Besuch von NS-Gedenkstätten zum Thema - häufig in der Erwartung, ein solcher Besuch sei in der Lage, festgestellte oder angenommene Defizite bei Jugendlichen zu beheben. Zuletzt meinte Staatsekretärin Karoline Edtstadler, es sei durchaus vorstellbar, zuwandernde Muslime zu einem Besuch der KZ-Gedenkstätte Mauthausen zu verpflichten.

 

Bertrand Perz, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats von _erinnern.at_ und Professor am Institut für Zeitgeschiche der Universität Wien, Autor des Standardwerks zur Gedenkstätte Mauthausen und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Gedenkstätte Mauthausen, kommt in einem Beitrag in Gottfried Fliedls Blog "museologien" zum Schluss:

 

"Die Frage, was ein notwendiges Wissen über die NS-Verbrechen und den Holocaust im Hinblick auf die Integration von Zuwanderern in unsere Gesellschaften ist, scheint berechtigt. Das gilt aber eben nicht nur für diese. Es bleibt festzuhalten, dass die KZ-Verbrechen und der Massenmord an den europäischen Juden und Jüdinnen in erster Linie von – meist christlich sozialisierten – Deutschen und Österreichern (vorwiegend, aber nicht nur, Männern) begangen wurden, also von Menschen, die aus der Mitte unserer Gesellschaft kamen. Nicht zuletzt deshalb hat sich die „Holocaust-Education“ in den letzten Jahren intensiv mit der Frage beschäftigt, wie man Jugendlichen mit Migrationshintergrund, deren Gesellschaften mit dem Holocaust nur wenig zu tun hatten, das Thema als relevant vermitteln kann. Dazu sind viele gute Konzepte entwickelt worden. Der Pflichtbesuch, der bestimmte Menschengruppen unter ideologischen Generalverdacht stellt, gehört nicht dazu."

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Und eine Nachbemerkung: "Eine wesentliche Unterstützung, welche den Besuch der Gedenkstätte Mauthausen spürbar erleichtern könnte, wäre eine Bushaltestelle in Nähe. Und wenn mehr Geld zur Verfügung steht, wäre eine Jugendbegegnungsstätte mit Übernachtungsmöglichkeiten und Seminarräumen eine tolle Sache", so Dr. Werner Dreier, Geschäftsführer von _erinnern.at_.

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Fast 200.000 Menschen besuchen die Gedenkstätte Mauthausen jährlich. (CC BY-NC-ND 2.0 Alejandro Matos)
Fast 200.000 Menschen besuchen die Gedenkstätte Mauthausen jährlich. (CC BY-NC-ND 2.0 Alejandro Matos)
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