Horst Schreiber: Restitution von Würde

Kindheit und Gewalt in Heimen der Stadt Innsbruck

„Ich kann nicht glauben, dass die Zeit gekommen ist, Rechenschaft zu fordern. Dankbar bin ich, dass das immerwährende Schweigen nicht fortbesteht.“

Jahrzehntelang hinderten Traumatisierungen und die Ignoranz von Politik und Gesellschaft Heimkinder über die leidvollen Erfahrungen zu sprechen, die sie in öffentlichen und katholischen Erziehungsanstalten machen mussten. Diese wissenschaftliche Studie versteht sich als Teil der Anstrengungen um eine angemessene „Wiedergutmachung“, auch wenn diese angesichts der Dimensionen der Kinderrechtsverletzungen lediglich eine Geste darstellen können. Spät, aber doch wird den Berichten der ehemaligen Heimkinder Glauben geschenkt, das erlittene Unrecht anerkannt und der Beitrag der ZeitzeugInnen zu dessen Aufklärung gewürdigt.

Systematische Menschenrechtsverletzungen an Kindern und Jugendlichen standen bis in jüngerer Zeit auf der Tagesordnung in Heimen des Staates, der Länder und katholischer Orden in ganz Österreich. Als Mitglied der Opferschutzkommission der Stadt Innsbruck dokumentiert und analysiert Horst Schreiber erstmals die städtischen Heime, aber auch die Verhältnisse der Fremdunterbringung in den Säuglings- und Kleinkinderheimen Arzl und Axams, in Pflegefamilien und Landeseinrichtungen.

Er zeigt die Ursachen der Heimeinweisung auf, die vielfach in Armut begründet lagen, und beschreibt die sozialen Hintergründe der Heimkinder und ihrer Familien. Besondere Aufmerksamkeit widmet er dem Erziehungspersonal, den lange Zeit verheerenden Arbeitsbedingungen und der Frage, wie das gewalttätige Handeln so vieler zu erklären ist.

Auch die Betroffenen selbst kommen zu Wort: Sie erzählen von einem Aufwachsen im Abseits der Gesellschaft, ihrem täglichen Kampf gegen Übergriffe aller Art und vom Fortleben der Gewalt in ihren Körpern.

2010 regte Horst Schreiber beim Land Tirol die Gründung einer Steuerungsgruppe zur Anerkennung des erlittenen Leides von Kindern und Jugendlichen in der Heimerziehung an. Im selben Jahr erschien sein Buch „Im Namen der Ordnung“ in der Reihe transblick (Studienverlag 2010), das die wissenschaftliche Forschung zum Thema österreichweit anstieß.

2014 thematisierte Horst Schreiber in einem weiteren Band von transblick unter dem Titel „Dem Schweigen verpflichtet“ (Studienverlag 2014) Gewalterfahrungen im SOS-Kinderdorf. Mit Christian Kuen erstellte er auf der Basis von Video-Interviews die Internetseite „Jetzt reden wir! Ehemalige Heimkinder erzählen“ (www.heimkinder-reden.at) und eine Filmdokumentation.

Seit 2011 ist Horst Schreiber Mitglied der Opferschutzkommission Innsbruck.

Horst Schreiber: Restitution von Würde. Kindheit und Gewalt in Heimen der Stadt Innsbruck

Mit einem Beitrag von Ulrike Paul

Reihe: Veröffentlichungen des Innsbrucker Stadtarchivs, Neue Folge 57

Euro 19,90. Zu bestellen im StudienVerlag

Präsentation: 18.11.2015, 19 Uhr im Haus der Begegnung, Rennweg 12, Innsbruck

Das Theaterstück zum Buch

Ausschnitte Theater

Leseproben:

 

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