Walter Fantl-Brumlik verstorben

Der Holocaust-Überlebende und Zeitzeuge ist im 96. Lebensjahr verstorben

Walter Fantl-Brumlik, geboren 1924 in Loosdorf, wuchs mit seinen Eltern und seiner drei Jahre älteren Schwester Gertrude in Bischofstetten, Niederösterreich auf. Als jüdische Kinder durften Walter und Gertrude nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich nicht mehr die Schule besuchen, im Zuge des Novemberpogroms wurden er und sein Vater verhaftet, kurze Zeit später aber wieder frei gelassen. 1939 wurde die Familie dazu gezwungen, nach Wien in eine Sammelwohnung zu übersiedeln, nachdem ihnen ihr Haus und ihr Geschäft bereits geraubt worden war.

 

Deportation nach Theresienstadt und Auschwitz

Am 1. Oktober 1942 erfolgte die Deportation der gesamten Familie von Wien ins Ghetto Theresienstadt. Zwei Jahre später wurden sie getrennt: Walter kam gemeinsam mit seinem Vater ins KZ Auschwitz-Birkenau, wo sie bei der Selektion neuerlich getrennt wurden. Völlig entkräftet und abgemagert meldete sich Walter Fantl-Brumlik dennoch zum Arbeitsdienst als Schlosser und wurde dafür ins Nebenlager Gleiwitz überstellt. Den im Januar 1945 begonnenen Todesmarsch überlebte er nur durch die Hilfe mehrerer Häftlinge. Er harrte einige Zeit im Lager Blechhammer aus und marschierte im Frühjahr 1945 über Krakau und Kattowitz nach Theresienstadt, wo er im Juni 1945 ankam.

Sein Vater Arthur, seine Mutter Hilda und seine Schwester Gertrude waren von den Nationalsozialisten in Auschwitz ermordet worden.

 

Als Zeitzeuge in Schulen

Walter Fantl-Brumlik kehrte nach dem Krieg nach Wien zurück und engagierte sich jahrzehntelang als Zeitzeuge – über das ihm Widerfahrene erzählte er in Schulen, im Rahmen von Interview-Projekten, wie auch bei ZeitzeugInnen-Seminaren von _erinnern.at_.

In einem Interview von 2013 erzählte Walter Fantl-Brumlik darüber, wie wichtig ihm der Kontakt zu jungen Menschen war. Bei seinen Vorträgen stieß er immer auf großes Interesse und er erhielt unzählige Briefe und Bilder von SchülerInnen und LehrerInnen, die er alle sorgsam aufbewahrte. Er hoffte, dass die Jugend seine Geschichte weitertragen würde.

 

Link

"Der Lebensgürtel" - Kurzfilm über Walter Fantl-Brumlik von Univ.-Prof. Dr. Albert Lichtblau: - Link

abgelegt unter:
Walter Fantl-Brumlik © Karin Berger ("A letter to the stars")
Walter Fantl-Brumlik © Karin Berger ("A letter to the stars")
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