Ellen Babendreyer: Gedenken an Hilda (Hilde) Monte-Olday (1914-1945)

Geboren am Vorabend des Ersten Weltkriegs erlebte Hilda Monte den Untergang der Weimarer Republik und die Machtübernahme der Nationalsozialisten. Sie ging fortan in den Untergrund, organisierte Arbeiterwiderstand und Flucht für Bedrohte. Letztlich blieb auch ihr nur der Weg ins Exil. Sie kämpfte von London aus weiter – auch publizistisch. Nur wenige Tage vor dem Ende der NS-Diktatur starb sie auf der Flucht vor ihren Widersachern an einer Schussverletzung im Grenzgebiet zwischen Österreich und Liechtenstein. Sie ist auf dem evangelischen Friedhof in Feldkirch (Vorarlberg) bestattet.

Hilda Monte-Olday wurde am 31. Juli in Wien als Tochter der aus Westpreußen stammenden Rosa Meyer und des Slowaken Ernst Meisel (1886-1953) in Wien geboren. Im April 1945 verblutete eine Frau an der Grenze zu Liechtenstein an einer Schussverletzung. Erst zwei Jahre später wurde die Identität der Toten geklärt - es war Hilda Monte-Olday,  die ihr Leben dem Kampf gegen den Nationalsozialismus gewidmet hatte.

"Wer war Hilda Monte?

Hilda Monte war der Deckname der Widerstandskämpferin Hilde Olday, geb. Meisel (* 31.7.1914 in Wien; † 17.4.1945 bei Feldkirch). 1915 zog die assimilierte bürgerlich-jüdische Familie von Wien nach Berlin und lebte vom Import und Export von Haushaltsartikeln.

Hilda schloss sich bereits im Alter von fünfzehn Jahren dem 'Internationalen Sozialistischen Kampfbund' (ISK) an. 1932 begann sie ein Studium in London, wo sie 1933 den Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufnahm. Sie leistete Kurierdienste, schmuggelte Literatur nach Deutschland und verhalf Verfolgten zur Flucht. In der Exil-Publikation des ISK schrieb sie Beiträge zu wirtschaftlichen Fragen.


John Olday (1957)
Quelle: John Olday
Archiv

Durch eine Scheinehe mit John Olday (* 1905; † 1977), einem homosexuellen Anarchisten, Künstler und Karikaturisten, der 1950 nach Australien auswanderte, erlangte sie 1938 die britische Staatsangehörigkeit.

Im englischen Exil kam es über die Frage der Gewalt im antifaschistischen Widerstand zu Auseinandersetzungen, bei denen sie sich 1939 auf die Seite der Verfechter einer radikaleren Position, die auch Anschläge auf die Naziführung befürworteten, schlug. Für einige Jahre trennte sie sich vom ISK, um mit Waldemar von Knoeringen und Richard Löwenthal am 'Sender der europäischen Revolution' und an der Vorbereitung für eine 'Partei der Revolutionären Sozialisten' mitzuwirken.

Während des Krieges veröffentlichte sie die Novelle 'When Freedom Perished' und das Buch 'The Unity of Europe', beteiligte sich an deutschsprachigen Sendungen des BBC und hielt Vorträge über Fragen der Nachkriegsordnung.

Im Sommer 1944 wurde sie vom Office of Strategic Services (OSS, Vorläufer der CIA) zusammen mit weiteren Agenten zur Spionage in Deutschland angeworben. In der Nähe von London wurde sie auf den praktischen deutschen Alltag im nationalsozialistischem Deutschland vorbereitet und im Fallschirmspringen ausgebildet.

Stolperstein in der Landhausstraße 3 in Berlin, wo Hilda Monte bis 1932 wohnte

Im September 1944 wurden Hilda und ihre Freundin Anna Beyer von einem Flugzeug in der Nähe des Genfer Sees in Frankreich abgesetzt. Nach vier Wochen kamen sie illegal in die Schweiz und fanden bei ISK-Anhängern in Zürich, wenig später im Tessin, Unterkunft.

Hilda nahm Kontakte zu österreichischen Mitstreitern auf und ging illegal über die Grenze. Auf dem Rückweg in die Schweiz lief sie wenige Wochen vor Kriegsende am 17. April 1944 in der Nähe von Feldkirch einer Grenzpatrouille in die Hände, die nach einem Fluchtversuch auf sie schoss. An den Folgen eines Schusses in den Oberschenkel verblutete sie noch an der Grenze.

Vieles, was später über Hilda Montes Zeit in England veröffentlicht wurde, hat seinen Ursprung in John Oldays Erinnerungen, die er mit Phantasiegeschichten ausschmückte." (Peter Koblank (2006) - link

Ellen Babendreyer hat zu dieser Widerstandskämpferin nun eine ausführliche Studie veröffentlicht. Hilda Monte (1914-1945). Widerstand aus dem Londoner Exil in den 1940er Jahren. Fakten – Mythen – Legenden. - download

Weitere Literatur zu Hilda Monte: Angelika Rosina Kuntner (2009): Ein Tod bei Feldkirch. Leben und Werk der Widerstandskämpferin Hilda Monte-Olday (1914-1945). - link

Erstellt am 2013-12-23T09:25:33+01:00, zuletzt geändert 2020-06-10T14:03:15+01:00