Neues Projekt: „Bewegte Familiengeschichten – Die Suche nach einem neuen Zuhause in einer sich verändernden Welt"

Familienbiographien mit Flucht- und Migrationserfahrungen sollen die Verflechtung der deutschen und österreichischen Geschichte mit der Geschichte des arabisch-jüdischen Nahen Ostens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in pädagogischen Materialien erschließen. Ein von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ ausgeschriebenes und finanziertes Projekt startete im April 2017.

Als KooperationspartnerInnen konnten das Anne-Frank-Zentrum (Berlin), PROSA - Projekt Schule für Alle (Wien) und das Center for Humanistic Education (Lohamei HaGeta'ot in Israel) gewonnen werden. Die KooperationspartnerInnen bringen bei der konzeptionellen und didaktischen Entwicklung der Materialien sowie zur kritischen Reflexion ihre weitreichende Erfahrung ein. In unterschiedlichen Formaten wird darüber hinaus wissenschaftliche Expertise in dieses Projekt einfließen.

Im Zentrum des Projekts stehen Familienbiographien mit Flucht- und Migrationserfahrung. Basierend auf historischen Quellen wird Geschichte an konkreten Geschichten von Menschen erfahrbar gemacht. Diese Geschichten bilden die Grundlage für die Diskussion strukturgeschichtlicher und politischer Ereignisse und sie bieten durch Schlüsselbegriffe Andockstellen zur weiteren vertiefenden Bearbeitung des historisch-politischen Rahmens, wofür die Biographien durch Factboxes ergänzt und kontextualisiert werden. Der Ansatz des biografischen Lernens erleichtert damit den Zugang zu den komplexen geschichtlichen Verflechtungen.

Migration, ob nun zwangsweise in der Form von Vertreibung und Flucht oder aus anderen Gründen, ist ein Thema, welches die deutsche und österreichische Geschichte mit der Geschichte des arabisch-jüdischen Nahen Ostens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zusammen bindet. Die Materialien sollen das Verständnis dafür fördern, dass die Geschichte des Nahen Ostens sowohl aus jüdischen wie aus arabischen Blickwinkeln durch Momente der freiwilligen oder erzwungenen Migration geprägt ist. Dies geschieht unter besonderer Berücksichtigung der Zeit des Nationalsozialismus und der europäischen (Nahost-)Politik.

Eine sensible Herangehensweise, die keine vereinfachte Gleichsetzung der unterschiedlichen Erfahrungen, jedoch eine multiperspektivische Annäherung beinhaltet, ist dafür maßgeblich und wird durch die dem Material beigegebenen Methoden und Unterrichtsmodelle unterstützt. Diese sollen emanzipatorische Handlungsstrategien gegen Antisemitismus und Rassismus fördern. Die ausgewählten exemplarischen Geschichten von Menschen werfen unterschiedliche Schlaglichter auf die komplexe Geschichte dieser Räume und ihrer Verflechtung – doch sind sie nicht in der Lage, diese Geschichte umfassend zu erklären. Vielmehr sind sie eben als exemplarisch zu verstehen, dh. als beispielgebende Muster, welche etwa durch die Lernenden um weitere Beispiele durchaus auch aus dem Bereich ihrer eigenen Lebenserfahrungen ergänzt werden können. Damit können Beispielweise über das konkrete Thema hinaus auch andere Migrationserfahrungen von Jugendlichen besprechbar werden. Ein ganz wesentliches weiteres Ziel des Projekts ist es, SchülerInnen zu einem respektvollen Umgang mit Erinnerungen und Narrativen anzuregen, auch wenn diese in Teilen im Konflikt zueinander stehen.

Das Material richtet sich an Jugendliche in der schulischen und außerschulischen Bildung und wird zum Jahresende 2018 online zur Verfügung stehen. Das Material-Set besteht aus leicht verwendbaren und reproduzierbaren Karten mit den Familienbiographien sowie Karten mit Erläuterungen zu historischen Gegebenheiten sowie den die Geschichte begleitenden Narrativen. Das Material wird durch exemplarische Lernwege erschlossen und ist damit unmittelbar und ohne großen Aufwand für Lehrpersonen bzw. Fachpersonen verwendbar. Die Materialien werden jedoch auch auf eine Art angeboten, dass Lehr- bzw. Fachpersonen daraus selbständig Lernarrangements etwa für offenen Unterricht zusammenstellen können. Die Unterrichtsmodelle werden mit einführenden Texten ergänzt, die Lehrenden und MultiplikatorInnen die Vorbereitung und die Vermittlung erleichtern sollen.

 

Projektteam:
Axel Schacht, Adrienne Homberger, Andreas Schrabauer, Michael Bodenstein

In Kooperation mit:

 

Gefördert von:

www.stiftung-evz.de


abgelegt unter:
Kolloquium am 19. Mai 2017 in Wien. Teilnehmende: Helga Embacher, Ariane Sadjed, Achim Rohde, Bianca Ely, Yariv Lapid, Michael Bodenstein, Adrienne Homberger, Werner Dreier, Axel Schacht, Andreas Schrabauer
Kolloquium am 19. Mai 2017 in Wien. Teilnehmende: Helga Embacher, Ariane Sadjed, Achim Rohde, Bianca Ely, Yariv Lapid, Michael Bodenstein, Adrienne Homberger, Werner Dreier, Axel Schacht, Andreas Schrabauer
Kolloquium am 19. Mai 2017 in Wien.
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Kolloquium mit internationalen ExpertInnen.
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