Buchpräsentation „Nationalsozialismus in Wien“

Am 8. Mai 2017 wurde unter großen Publikumsandrang das Buch „Nationalsozialismus in Wien“, als 8. Band der Jugendsachbuchreihe von _erinnern.at_, im Wien Museum präsentiert.

„Ich begrüße Sie zu diesem Tag der Freude“. Mit diesen Worten eröffnete Museumsdirektor Matti Bunzel die Buchpräsentation und machte somit eine historische Referenz zum Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation Nazi-Deutschlands am 8. Mai 1945. Über 300 Interessierte kamen am 8. Mai ins Wien Museum zur Präsentation, zu der _erinnern.at_, das Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust Studien und das Wien Museum geladen hatten.

Bildungsministerin Hammerschmid zum Buch

Bildungsministerin Hammerschmid lobte die erfolgreiche Sachbuchreihe in ihrer Begrüßungsrede. Dr. Hammerschmid betonte, dass die Bücher erfolgreich in der LehrerInnenfortbildung genutzt werden und so auch SchülerInnen erreichen. „Das Buch, das heute vorgestellt wird, ist ein ganz besonderes. Es bringt uns nicht nur neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die Zeit des Nationalsozialismus in Wien näher, sondern es tut dies auf eine ganz besondere Art und Weise. Nämlich dadurch, dass es Geschichten von Menschen mit der Geschichte verbindet. Dass es in 40 biographischen Erzählungen zeigt, wie konkrete Menschen in dieser Stadt handelten und wie sie behandelt wurden,“ so die Bildungsministerin.

Anerkennend erwähnt die Bildungsministerin die außergewöhnliche Verbindung von Wissenschaft und der schulischen Praxis in der Sachbuchreihe von _erinnern.at_. Diese Verknüpfung spiegelt sich auch in den Autoren wider: Albert Lichtblau ist Professor an der Universität Salzburg und dort nicht nur ein vielfach ausgewiesener Forscher, sondern zugleich ein begeisterter Unterrichtender. Er arbeitete schon an mehreren Projekten von _erinnern.at_ für den Schulunterricht mit. Martin Krist ist Lehrer an einem Wiener Gymnasium und zugleich in der universitären Lehrerbildung tätig sowie Netzwerker für _erinnern.at_ in Wien.

Die Autoren und der Herausgeber im Gespräch mit Dr. Béla Rásky

Univ. Doz. Horst Schreiber, Herausgeber der Reihe, erklärte, das Ziel der Sachbuchreihe sei es geschichtswissenschaftliche Erkenntnisse einer breiten LeserInnenschaft zugänglich zu machen. Das werde durch eine leicht verständliche Sprache ohne komplexe wissenschaftliche Terminologie und mittels Biographien erreicht.

Durch den Abend führte Dr. Béla Rásky, Geschäftsführer des VWI. Im Gespräch mit den beiden Autoren stellte Rásky auch die Frage, worin sich der Wien-Band von den vorhergehenden unterscheidet. Albert Lichtblau betonte, dass es ihm ein Anliegen war, auch über die Verfolgung der Homosexuellen in Wien zu berichten. Was nicht ganz einfach war, da es hier so gut wie keine Egodokumente gebe. Als Quellen wurden im Wesentlichen nationalsozialistische Gerichtsakten verwendet – „eine problematische Quelle“, so Prof. Lichtblau. An der Geschichte der Homosexuellen in Wien lässt sich auch eine Geschichte von nationalsozialistischer Kontinuität nach 1945 aufzeigen: Die Beamten, die homosexuelle Männer nach Kriegsende verfolgten, waren oftmals ehemalige Nationalsozialisten.

Martin Krist hob zwei oft vergessene Opfergruppen hervor: Die tschechische Minderheit in Wien und die "Kinder vom Spiegelgrund". Beide Gruppen, mit ihrer spezifischen Verfolgungsgeschichte, werden im Buch ausführlich erwähnt.

Eine Publikation mit 350 Bildern

Rasky lobte die Sprache des Buches, die komplexe wissenschaftliche Information einem breiten Publikum zugänglich macht. Martin Krist hatte seine SchülerInnen als zusätzliche LektorInnen: Er gab ihnen Textpassagen, um zu erfahren, ob ihnen der Text verständlich war, und so floss ihr Feedback in die Publikation ein.

„Mich als erfahrenen Holocaustforscher haben die Fotos überrascht, im Buch sind erstaunlich gute Fotos, die ich selbst noch nie gesehen habe“, so Dr. Béla Rásky. Im Band finden sich mehr als 350 Abbildungen. Martin Krist beschrieb das Titelbild: „Auf diesem Bild aus dem Jahr 1938 sind etwa 14 jährige HJ-Buben zu sehen. 1942 wurden sie vermutlich alle zur Wehrmacht eingezogen. Da stellt sich natürlich die Frage: Was ist mit ihnen passiert? Wer hat überlebt? Solche Fragen interessieren die Jugendlichen“.

Wiens Erinnerungslandschaft

„Was fehlt in Wiens Erinnerungslandschaft?“ fragte Rásky abschließend. Martin Krist meinte, dass die wenigsten WienerInnen wüssten, dass es auch in Wien Konzentrationslager gab. Diese Geschichte müsste bekannter werden. Albert Lichtblau erntete für seine abschließende Worte Applaus vom Publikum: „Mir ist es unverständlich warum es in Kapstadt, in Südafrika, ein Holocaust Museum gibt und in Wien nicht!?“.

Das Team von _erinnern.at_ bedankt sich herzlich bei den Autoren, dem Herausgeber, unseren Partnerorganisationen dem VWI und dem Wien Museum sowie bei allen Interessierten Gästen.

Am Abend der Präsentation wurden alle Bücher verkauft, darüber freuen wir uns besonders. Das Buch ist in jeder Buchhandlung und auf der Website des Studienverlages bestellbar.

Links:

Martin Krist/ Albert Lichtblau: Nationalsozialismus in Wien. Opfer . Täter . Gegner

"Weil noch lange nicht alles gesagt ist" - Rezension in der Wiener Zeitung

Video der Buchpräsentation (Youtube, 1h16)

abgelegt unter:
Mehr als 250 Interessierte kamen zur Buchvorstellung.
Mehr als 250 Interessierte kamen zur Buchvorstellung.
Eröffnungsrede von FBM Hammerschmid
Eröffnungsrede von FBM Hammerschmid
Béla Rásky, Horst Schreiber, Albert Lichtblau, Martin Krist (v.l.n.r.))
Béla Rásky, Horst Schreiber, Albert Lichtblau, Martin Krist (v.l.n.r.))
Andrea Eckert (Gesang) und Walter Soyka (Ziehharmonika) spielen ein Lied von Hermann Leopoldi
Andrea Eckert (Gesang) und Walter Soyka (Ziehharmonika) spielen ein Lied von Hermann Leopoldi
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