Digitale Erinnerungslandschaft (DERLA) Wien

Auf der gemeinsam von ERINNERN:AT, dem Centrum für Jüdische Studien und dem Institut für digitale Geisteswissenschaften (beide Karl-Franzens-Universität Graz) entwickelten Website www.erinnerungslandschaft.at ist seit Mai 2026 auch die Gedächtnislandschaft Wiens online.
Die Digitale Erinnerungslandschaft Wien dokumentiert die Erinnerungsorte und -zeichen an die Opfer und Orte des Terrors des Nationalsozialismus. Für die Vermittlungsarbeit in den Schulen werden eine Reihe von Unterrichtsmodulen angeboten, die sowohl vor Ort als auch digital im Klassenzimmer bearbeitet werden können.

Was ist DERLA?
Das Dokumentations- und Vermittlungsprojekt DERLA (Digitale Erinnerungslandschaft Österreich) wurde im Jahr 2019 vom Centrum für Jüdische Studien, dem Institut für digitale Geisteswissenschaften und dem Arbeitsbereich Geschichtsdidaktik der Universität Graz sowie von ERINNERN:AT initiiert. Zentral ist dabei die Verbindung der Dokumentation von Erinnerungsorten an die Opfer des Nationalsozialismus mit deren Vermittlung an Schulen. Sie setzt ihren Fokus nicht nur auf sichtbare Erinnerungsorte wie Denkmäler und Erinnerungstafeln, sondern auch auf nicht-manifeste Orte der Erinnerung, die bislang keine öffentlich sichtbaren Erinnerungszeichen aufweisen, aber dennoch einen historischen Bezug zu Opfern bzw. zum Terror des Nationalsozialismus haben. 

DERLA erinnert virtuell mit Informationen zu historischen Ereignissen oder Personen und macht auf die Erinnerung als solche aufmerksam. So bietet der Internetauftritt des Projekts ausführliche Opferbiografien sowie ein Vermittlungsprogramm für Lehrkräfte sowie SchülerInnen. Ein didaktisches Glossar erleichtert Jugendlichen dabei das eigenständige Arbeiten. Darüber hinaus finden BesucherInnen der Projektwebsite ausgearbeitete digitale Routen entlang verschiedener Erinnerungszeichen, sogenannte „Wege der Erinnerung“, wodurch die Erinnerungszeichen in einen größeren inhaltlichen Kontext gebracht werden.

zur Website: www.erinnerungslandschaft.at

Vermittlung
Aktuell sind auf der der Digitalen Erinnerungslandschaft Österreich 16 Unterrichtsmodule zu manifesten Erinnerungsorten innerhalb Wiens verfügbar. Zwölf davon wurden von Antonia Winsauer und Martin Krist (beide: ERINNERN:AT Wien), vier weitere von Studierenden im Rahmen einer Lehrveranstaltung von Grit Oelschlegel (Akademie der Bildenden Künste Wien) ausgearbeitet. 
Der Anspruch des Vermittlungsteams von ERINNERN:AT Wien war auf historisch-inhaltlicher Ebene, einerseits Stationen der systematischen Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung Wiens im Nationalsozialismus, andererseits auch Orte, die an andere Opfergruppen des NS-Regimes erinnern, abzubilden. Daneben sollten die an Vermittlungsangebote gekoppelten Erinnerungszeichen sich nicht nur im Zentrum der Stadt, sondern auch in den Randbezirken befinden, die Vermittlung sowohl im Klassenzimmer als auch direkt vor Ort durchführbar sein. 
Auf methodischer Ebene wurde neben kompetenzorientierten Aufgabenstellungen auf eine breite Auswahl an Quellen Wert gelegt, wobei stets VertreterInnen der Opfergruppen, also Opfer und Überlebende der NS-Gewaltherrschaft, im Mittelpunkt stehen und selbst zu Wort kommen sollten. 
Die von den Studierenden der Akademie der Bildenden Künste Wien ausgearbeiteten Module widmen sich mit künstlerischem Zugang den Erinnerungsorten.

Folgende Vermittlungsangebote von ERINNERN:AT Wien und von den Studierenden der Akademie der Bildenden Künste sind aktuell verfügbar:



 A) Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung Wiens durch die NS-Gewaltherrschaft 



B) Andere NS-Opfergruppen

C) Wege der Erinnerung



Folgen Sie diesem Link, um zu den digitalen Wegen der Erinnerung in Wien zu gelangen.



Hintergrundgeschichte des Vermittlungsangebots „Der Schulausschluss der jüdischer SchülerInnen aus Wiener Schulen“



Das von Martin Krist (ERINNERN:AT- Netzwerkkoordinator bis 2024) für DERLA Wien ausgearbeitete Vermittlungsangebot „Der Schulausschluss der jüdischer SchülerInnen aus Wiener Schulen“ basiert auf einem Schulprojekt, das der Lehrer und Historiker in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre am Döblinger Gymnasium (G19, Gymnasiumstraße) geleitet hat. Auf der Basis privater Recherchen Martin Krists Mitte der 1990er Jahre arbeitete eine zwölfköpfige SchülerInnengruppe im Rahmen eines Wahlpflichtfachs die Schulgeschichte während der NS-Zeit auf. Dabei recherchierte sie im Schularchiv Namen und Daten von über 100 jüdischen und nach den NS-Rassegesetzen als jüdisch geltenden Schülern (Anm.: nur männliche Schüler besuchten damals dieses Gymnasium), die nach der Annexion Österreichs an das Deutsche Reich 1938 vom Schulbesuch am Döblinger Gymnasium ausgeschlossen worden waren. Auch deren weitere Schicksale nach dem Schulausschluss wurden von der Projektgruppe untersucht – damals noch ohne Internet. So konnte unter anderem herausgefunden werden, dass die ausgeschlossenen Schüler anschließend für kurze Zeit in die Wasagasse kamen, wo sich damals eine „Sammelschule“ für jüdische Schüler befand. 

Mit Hilfe des Österreichischen Nationalfonds konnten im Rahmen des Projekts noch einzelne überlebende in Wien und auf der ganzen Welt verstreute ehemalige jüdische Schüler postalisch kontaktiert werden. Vierzehn dieser ehemaligen Schüler waren bei der Enthüllung der Gedenktafel, die an die ausgeschlossenen und ermordeten jüdischen Schüler der Schule erinnert – im Jahr 1998, sechzig Jahre nach ihrem Ausschluss – anwesend.

Im Folgejahr kam es zur Publikation der Rechercheergebnisse: Martin Krist, Vertreibungsschicksale. Jüdische Schüler eines Wiener Gymnasiums 1938 und ihre Lebenswege. Wien 1999.

Die Gedenktafel, manifestes Ergebnis der Recherchen der Döblinger SchülerInnengruppe, ist heute das Erinnerungszeichen, mit welchem SchülerInnen heute in der Digitalen Erinnerungslandschaft Wiens den Schulausschluss jüdischer SchülerInnen aus Wiener Schulen vermittelt wird.
Auf der Schulhomepage des G19, das gemeinsam mit dem Akademischen Gymnasium eine Vorreiterrolle in der Recherche und Sichtbarmachung der Schulgeschichte während des Nationalsozialismus einnimmt, sind Teile der Rechercheergebnisse ebenfalls verfügbar: https://www.g19.at/schulgeschichte/

DERLA Wien – Team:
Historische Recherche und Fotos: Peter Pirker, Nils Münger; Ausarbeitung von Vermittlungsmodulen mit historischem Schwerpunkt (ERINNERN:AT): Martin Krist, Antonia Winsauer; Leitung Vermittlungsteam Akademie der Bildenden Künste: Grit Oelschlegel, Ausarbeitung von Vermittlungsmodulen mit künstlerischem Schwerpunkt: Ali Köpper, Isidora Dimitrijevic, Johanna Fink, Marlene Haderer, Alexander Puc.



Veröffentlicht am 20.06.2026, zuletzt geändert 24.06.2026