„Verdrängte Jahre – Bahn und Nationalsozialismus in Österreich 1938 - 1945“

Die Ausstellung informiert zur vielfältigen Geschichte der Bahn (Alltagsleben der Eisenbahner, Kindertransport nach England, Deportationen, Zwangsarbeiter, Widerstand, Restitution) nach ihrer Eingliederung im März 1938 in die deutsche Reichsbahn. Ort: Haus der ÖBB, Praterstern 3, 1020 Wien, bei freiem Eintritt. 12. Juni bis 31. Oktober 2012

2012 feiert die Eisenbahn in Österreich ihr 175 jähriges Jubiläum. Dabei werden die enormen technischen Errungenschaften und die Bedeutung der Bahn für die industrielle Revolution, für Erneuerung und den wirtschaftlichen Aufschwung Thema sein. Die ÖBB werden sich aber auch mit den dunklen Zeiten des Systems Schiene beschäftigen. Es wird auch die Zeit thematisiert, in der die Österreichischen Bundesbahnen (BBÖ) ein Teil der deutschen Reichsbahn waren, die Zeit von 1938 bis 1945, in der die Bahn auch in Österreich eine der wichtigsten Stützen des nationalsozialistischen Staates war.
Dem ist die Ausstellung „Verdrängte Jahre – Eisenbahn  und Nationalsozialismus in Österreich 1938 – 1945 gewidmet.

 „Das ist der dunkelste Abschnitt unserer Unternehmensgeschichte. Wir sind dazu verpflichtet zu gedenken und möchten mit dieser Dokumentation einen weiteren Beitrag zur historischen Aufarbeitung leisten. So unfassbar uns diese Ereignisse heute erscheinen, so klar müssen wir als ÖBB diese Zeit als Teil unserer Geschichte akzeptieren“
Mag. Christian Kern, CEO ÖBB Holding AG

Hintergrund: Verdrängte Jahre – ganzer Geschichtsabschnitt bisher unerforscht.
Obwohl die Bahn in der Zeit des Nationalsozialismus eine zentrale Rolle spielte, blieb sie in der Geschichtsschreibung der Österreichischen Bundesbahnen bisher so gut wie unerforscht und ausgeblendet. Die Österreichischen Bundesbahnen wurden 1938 sofort in die Deutsche Reichsbahn integriert. Ohne Bahn als Transportmittel wäre die Kriegslogistik der Deutschen Wehrmacht nicht machbar gewesen.

Züge in den Tod
Ohne der logistischen Kapazität der Bahn wäre der systematische Mord an den europäischen Jüdinnen und Juden, an Roma und Sinti, die Deportation von Sloweninnen und Slowenen, von Homosexuellen, Zeuginnen und Zeugen Jehovas und politisch Andersdenkenden nicht möglich gewesen. Drei Millionen Menschen aus fast ganz Europa wurden im Zweiten Weltkrieg mit Zügen in die Vernichtungs- und Tötungslager des NS-Regimes transportiert. Die Deutsche Reichsbahn war durch die Deportation zahlloser Menschen unmittelbar am Holocaust beteiligt und mit ihr auch die ehemals österreichischen Bahnbediensteten, die während der Zeit - nach dem „Anschluss“ Österreichs an Hitlerdeutschland und dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 - Bedienstete der Deutschen Reichsbahn waren. Über 200 000 Österreicherinnen und Österreicher, fast die gesamte jüdische Bevölkerung wurden gezwungen ihre Heimat zu verlassen oder in Konzentrations- und Vernichtungslager geschickt. Die Transporte erfolgten mit der Bahn.

Eisenbahner im Widerstand
Die nationalsozialistischen Machthaber versuchten von März 1938 die Eisenbahner an ihr Regime zu binden. Eisenbahner hatten strengere Regeln als Berufsbeamte zu befolgen, mussten „jederzeit rückhaltlos für den nationalsozialistischen Staat eintreten“ und sie wurden flächendeckend einer politischen Untersuchung und Überwachung unterzogen. Dennoch waren Eisenbahnerinnen und Eisenbahner maßgeblich am Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt. So berichtet das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) 1941 über den Widerstand bei der Bahn, dass im Vergleich zum „Altreich … die Ostmark seit Ausbruch des Krieges 1939 in sabotagepolizeilicher Hinsicht eine größere Rolle spielte, da hier die fremdländischen Nachrichtendienste und die inländischen Gegnergruppen es bereits früher verstanden hatten, Sabotageorganisationen aufzubauen, …“ 154 Eisenbahner wurden wegen Ihres Widerstandes zum Tode verurteilt und hingerichtet, 135 starben in Konzentrationslagen oder Zuchthäusern, 1438 wurden zu KZ- oder Zuchthausstrafen verurteilt.

Die Ausstellung wird vom 12. Juni bis zum 31. Oktober 2012 im Foyer der ÖBB Infrastruktur am Praterstern 3 in der Zeit von 8:00 bis 17:00 Uhr, bei freiem Eintritt gezeigt.
Sie gliedert sich in die Abschnitte:
+ Der »Anschluss« + Die Bahnbediensteten + Emigration und Kindertransporte + Die Sondertransporte + Der Widerstand +Die Zwangsarbeit + Das »arisierte« Vermögen + Die Restitution.
Die ÖBB planen in den kommenden Wochen die Ausstellung in einer Kooperation mit dem Institut für Creative\Media/Technologiesder FH St. Pölten zu digitalisieren, damit sie auf Dauer über das WWW besichtigt werden kann. Weiters soll die 116 Seiten starke Ausstellungsbroschüre in Kooperation mit der Zeitschrift Datum ebenfalls digitalisiert und als App verfügbar gemacht werden. Das BMVIT unterstützt eine österreichweite Aktion, in der allen ÖBB Lehrlingen der Besuch der Ausstellung ermöglicht wird. Zu erwähnen ist, dass es eine Kooperation mit dem BMUKK/www.erinnern.at gibt; für Schülerinnen und Schüler wird entsprechendes Unterrichtsmaterial zur Verfügung gestellt werden.

Weitere Informationen, Terminvereinbarung, Fotomaterial und Führungen nach Anmeldung:
Agentur Milli Segal, Fon: 01 9587266, e-mail: milli.segal@chello.at

Informationen zu Milli Segal: - link

Eintritt frei!

Petra Stuiber:"Allein das Wort Bahnhof ist ein Albtraum", (Der Standard, Printausgabe 11.06.2012): - link

Ausstellung: "Sonderzüge in den Tod" - unter diesem Ausstellungstitel erinnert die Deutsche Bahn AG an das Schicksal von Deportierten, die während der NS-Zeit von der Deutschen Reichsbahn in Ghettos, Konzentrations- oder Vernichtungslager transportiert wurden. - link

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Verdrängte Jahre: Ausstellung der ÖBB
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